Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Mosaiksteine zur Kultur- und Sanitätsgeschichte der posenschen (großpolnischen) Juden am Ausgang des 18. Jahrhunderts
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 348 (sequence 14)
- Language
- German
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348 MENORAH Bromberg, Inowraclaw und Märkisch -Friedland schon durch die erste polnische Teilung an Preußen gefallen waren67), so kann das Vorkommen jüdischer Ärzte mit abgeschlossener akademischer Bildung in den von der zweiten polnischen Teilung betroffenen südpreußischen Gebieten in dem entscheidenden Jahre 1793 mit Sicherheit nur für neun Städte festgestellt werden. Nach Ausweis der Akten, vor allem der Bewerbungen um Amtsarztstellen, und unter Zuziehung der Handbücher gab es nach der Okkupation des neuen Territoriums in K a 1 i s c h den Hofrat Dr. Meyer, in Kempen einen eben erst von der Universität in Halle gekommenen Dr. Isaak Jakob Gura und in K u r n i k einen ebenso jungen Absolventen derselben Universität, den aus Halle gebürtigen Dr. Isaak Joseph68). In Lentschitz hatte sich 1793 ein Dr. Salomon Nathan niedergelassen, der erst drei Jahre zuvor in Frankfurt a. d. Oder promoviert hatte. Von den drei jüdischen Ärzten der großen jüdischen Gemeinde in Lissa, die damals kurz nach dem großen Brande immer noch über 3000 jüdische Seelen zählte, hatten zwei, nämlich Dr. Wolf Lew in söhn, selbst ein Kind dieser alten Gemeinde, und Dr. Marcus, der ein einigermaßen bewegtes Leben hinter sich hatte, auf der mecklenburgischen Landesuniversität im kleinen Bützow ihre Studien getrieben. Dr. Marcus war übrigens der erste Jude, der in Bützow promovierte (1766), und der berühmte Orientalist Olaf Tychsen war sein Opponent bei der obligaten Thesenverteidigung. Der dritte, Dr. Alexander Magnus, war vor seiner Niederlassung in Lissa, die möglicherweise erst 1795 erfolgte, Arzt beim russischen Feldlazarett in Plock gewesen. In Petrikau saß seit 1784 ein Dr. Samuel Joachimsohn, der Sohn eines Posener Juden. In Posen gab es 1793 unter elf Ärzten drei Juden; darunter Dr. Salomon Sobernheim, Angehöriger einer Ärztedynastie, die ihren Weg vom Rhein nach der großen Judensiedlung in Oberschlesien, nach Zülz, genommen hatte. Einen jüdischen Arzt gab es auch in Wieruszow, und in Z a 1 u s z i n saß bis 1795 der junge Dr. Abraham Judka Felix, der Sohn eines Arztes aus Pinczow, vielleicht ein Angehöriger der berühmten Familie Katzenellenbogen. Zjieht man auch die wenig günstigen Existenzmöglichkeiten für studierte Ärzte in Betracht, so bleibt es doch nicht unwahrscheinlich, daß noch andere Städte in Südpreußen jüdische Vollärzte aufzuweisen X.