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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 342

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Mosaiksteine zur Kultur- und Sanitätsgeschichte der posenschen (großpolnischen) Juden am Ausgang des 18. Jahrhunderts
Date
1929-07-01
Page
Seite 342 (sequence 8)
Language
German
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342 MENORAH falls das Fehlen von Seuchen unter den Juden hervor. Man darf hierin vielleicht eine Wirkung der einsichtvollen Haltung der jüdischen Bevölkerung gegenüber medizinischen Neuerungen erblicken. Es ist jedenfalls sehr bemerkenswert, daß Dr. Salomon Sobernheim in Posen schon im Jahre 1802 sehr umfangreiche Versuche mit der 1796 von Jenner in England zuerst angewandten Schutzpockenimpfung mit Kuhpockenlymphe angestellt hatte, und daß unter den von ihm Geimpften sich zumeist Juden befanden. Zum Träger der Schutzblattern hatte sich Sobernheim übrigens seine halbjährige Tochter Friderike auserkoren30). Mit diesem dem Neuen zugewandten Sinn vertrug sich sehr wohl das Festhalten an den überkommenen religiös vertieften, moralischsanitären Verordnungen. Sie übten nach wie vor eine günstige Wirkung aus und kamen vor allem den Frauen zugute, die durch frühes Heiraten und die rasche Folge der Geburten und die Inanspruchnahme durch das wirtschaftliche Leben schnell alterten und sich früh verbrauchten31). Der Kinderreichtum, eine Folge des frühen Heiratsalters, überstieg noch den der gewöhnlichen polnischen Familien. Er wurde gewiß als ein Segen aufgefaßt und gewertet. Es bleibt aber doch noch eine höchst naive Erklärung für elementare Naturvorgänge, wenn man — wie dies der Verfasser des oben angeführten anonymen Buches über Polen tut — den Kinderreichtum darauf zurückführt, daß nach Ansicht der Juden der Messias nicht eher kommen werde, als bis eine bestimmte Anzahl Seelen mit jüdischen Körpern bekleidet worden seien32). Diese Behauptung kehrt übrigens in ähnlicher, etwas gehässigerer zugespitzten Fassung bei H. von Beguelin in seiner historisch-chronologischen Darstellung der Accise- und Zollverfassung in den preußischen Staaten wieder33). Gewiß ist ein solcher Erklärungsversuch alles andere als zutreffend, aber hätte der Glaube an eine solche Möglichkeit zur Heraufführung messianischer Zeit so ganz außerhalb der Sphäre des Wunder¬ und Aberglaubens gelegen, die jener Zeit und jenen Menschen nicht so ganz fern war? VI. Die Art zum Beispiel, wie die Juden den unter ihnen wie dem gewöhnlichen polnischen Volk, ja auch unter dem polnischen Adel verbreiteten Weichselzopf, jene der Unsauberkeit entstammende

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