Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Mosaiksteine zur Kultur- und Sanitätsgeschichte der posenschen (großpolnischen) Juden am Ausgang des 18. Jahrhunderts
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 341 (sequence 7)
- Language
- German
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MOSAIKSTEINE 341 früchte waren ihre fast tägliche Speise, und Zwiebeln und Knoblauch nur Leckerbissen". Daran ist sicher richtig beobachtet der starke Konsum von Hülsenfrüchten. Denn daß die Juden, besonders die vielen Hausierer, in überaus starkem Maße Hülsenfrüchte genossen, wird vielfach auch späterhin noch, zum Beispiel von Abraham Berliner in den Erinnerungen aus seiner Knabenzeit, bezeugt und ist durch die rituellen Speisegesetze zu erklären26). Die Zustände, wie sie die schriftstellerischen Reisenden und medizinischen Beobachter um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert sahen, konnten sich in der preußischen Zeit nur allmählich verlieren. Wenn Heinrich Heine noch 1822 in seinem Aufsatz „Über Polen" von den ,,schweinestallähnlichen Lochern" spricht, in denen die dörflichen Juden des Großherzogtums Posen „wohnen, mauscheln, beten, schachern und — elend sind", so tritt uns doch auch aus dieser pointierten Zusammenstellung das Bild einer trüben Wirklichkeit entgegen. l_/ie traurigen Folgen des Wohnungselends waren deutlich genug, wenn sie aber nicht noch ärger in die Erscheinung traten, so lag das wohl zunächst daran, daß die Bewohner sich möglichst viel außerhalb ihrer Wohnungen auf den Straßen ausbreiteten27) und in freier Luft atmeten. In Litauen, wo sie zum großen Teil Dorf Juden waren, offensichtlich — auch in der Statur und Physiognomie erkennbar20) — mit größerem Erfolg als in Großpolen, von dem hier hauptsächlich die Rede ist. Dann darf aber auch nicht verkannt werden — und selbst mißgünstige Beurteiler verkannten das nicht29) —, welch günstigen, retardierenden Einfluß die Befolgung der biblischiaimudischen Reinheitsgesetze auf die Volksgesundheit ausübte. Ob die Kindersterblichkeit unter den Juden geringer war als unter den gewöhnlichen Polen, bleibt bei den sich oft widersprechenden Berichten aus jener Zeit zweifelhaft. Nimmt man zum Beispiel die Blattern, die zwar keine eigentliche Kinderkrankheit waren, aber doch die Kinder am ehesten bedrohen, so hätte beispielsweise die Blatternepidemie in Posen im Jahre 1795 nach dem Urteil der dortigen beiden jüdischen Ärzte Sobernheim unter den jüdischen Kindern besonders zahlreiche Opfer gefordert. Der Bericht des Ministers Hoym an den König betonte aber gerade das Gegenteil. Die Posener Medizinalbehörde hebt in ihren Meldungen vom Jahre 1803 und 1804 gleich- V.