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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 339

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Mosaiksteine zur Kultur- und Sanitätsgeschichte der posenschen (großpolnischen) Juden am Ausgang des 18. Jahrhunderts
Date
1929-07-01
Page
Seite 339 (sequence 5)
Language
German
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MOSAIK STEINE 339 solche Tendenz hatte zum Beispiel eine Bestimmung in dem Privileg, das der Gutsherr Joseph Mycielsky im Jahre 1786 der Stadt Samter verlieh. Danach sollten die Bürger auch dadurch geschützt sein, daß die Judengasse von den Häusern der Christen durch einen breiten Platz getrennt sein, und dieser Zwischenraum nie verkleinert werden sollte14). Etwas Ähnliches ist auch von der schon in der ersten polnischen Teilung zu Preußen gekommenen Stadt Schneidemühl bekannt. Dort war im Jahre 1626 im Hause eines Juden ein Brand ausgebrochen und hatte alle Häuser der Stadt so sehr in Mitleidenschaft gezogen, daß eine völlig neue Vermessung und Verteilung der Baustellen nötig wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde, entgegen dem früheren Ortsbrauch, ein bestimmter Ansiedlungsrayon für die Juden geschaffen und ihr Wohnbezirk von dem der Christen durch eine unbebaut gelassene Fläche und einen Graben abgetrennt15). IV. In diesen von Feuergefahr bedrohten unzulänglichen, schmalbrüstigen Judenhäusern herrschte schrecklichste Wohnungsnot. Dichtgedrängt hockten die Menschen beieinander, ohne Licht und Luft und ästhetische Bequemlichkeit. Im Jahre 1619 bewohnten beispielsweise im Posener Ghetto 38 Menschen drei Stuben oder 48 ein Haus mit fünf Stuben10). Und so blieb es noch lange! Was Wunder, daß die hygienischen Zustände dieser Ghettohäuser den medizinischen Beobachtern Stoff genug zu Erstaunen und zur Entrüstung boten! Der Generalstabschirurgus der preußischen Armee Ludwig Mursinna17), der 1795 und 1796 in Südpreußen gewesen war, entwirft ein bemitleidenswertes Bild von den Wohnstätten der gewöhnlichen polnischen Judenfamilien. Nach ihm wohnten mehrere Familien mit den Kindern in einem engen, mit üblem Geruch angefüllten Räume, und die Menschen lagen halbnackt, mit aller Art Ausschlag, Ungeziefer und Schmutz behaftet, dicht beieinander und konnten sich kaum aufrichten. Man glaubt es ihm schon, daß er diesen Juden oft versichert habe, daß er lieber die größten Qualen erleiden als eine Nacht unter ihnen aushalten wollte18). Von den vielen Nachteilen, die mit den engen Wohnungen verbunden waren, fielen Schriftstellern, Ärzten und Behörden am meisten

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