Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Mosaiksteine zur Kultur- und Sanitätsgeschichte der posenschen (großpolnischen) Juden am Ausgang des 18. Jahrhunderts
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 338 (sequence 4)
- Language
- German
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338 M E N O R A H haltung der Juden, das jus de non tolerandis judaeis besaßen. Von den hundertzwanzig Städten und Städtchen des Posener Departements waren so zweiundzwanzig ganz ohne Juden7). Da eine Erweiterung der Wohngebiete in den einzelnen Städten nicht möglich war, waren die Juden gezwungen, ihre Häuser immer mehr in die Höhe zu bauen. Die hiemit verbundenen offenkundigen Nachteile veranlaßten den Posener jüdischen Gemeindevorstand zum Erlaß einer Bauordnung (1717), nach der kein Haus zu eng gebaut und nicht höher als drei Stock sein sollte8). III. Bedenkt man, daß diese eng aneinandergeklebten, dicht mit Menschen gefüllten Häuser fast durchweg nur aus Holz gebaut9) und — wie im Posener Ghetto — fast nur mit Schindeln gedeckt waren10), so kann man sich vorstellen, daß in diesen Ghettis so oft verheerende Brände entstanden; Brände, die mit rasender Geschwindigkeit sich verbreiteten, vom Ghetto auf die übrige Stadt über grillen und deshalb auch unaufhörlich Zwist zwischen Bürgerschaft und Judenschaft schufen. So brannte beispielsweise die Posener Judenstadt in der Zeit von 1447 bis 1803 achtmal ganz oder teilweise nieder11); so wurden im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts von Bränden stark getroffen die Judenschaften von K a 1 i s c h, K r o t o s c h i n, Peysern, Schrimm, Gnesen, Kurnik und Graetz. Und kurz vor der Besitznahme durch Preußen waren Lissa, K a 1 i s c h und B o j anowo von schwerer Feuersbrunst heimgesucht worden12). Die Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung dieser in so vieler Beziehung gefährlichen Brände waren ungenügend; immerhin wurde doch darauf gesehen, daß die jüdischen Gemeinden dem feindlichen Element nicht ganz wehrlos gegenüberstanden. In den Gerechtsamen der Schockener Synagoge war zum Beispiel genau vorgezeichnet, welche Löschgeräte sie vorrätig haben und wie sie sich bei einer vorkommenden Feuersbrunst verhalten sollten, und in Obornik, einer Stadt von 932 Einwohnern, hatten von den sieben Feuerspritzen die 226 Juden fünf in Besitz13). Sicherung gegen Brände lag ja im ureigensten Interesse der jüdischen Gemeinden, da der Mob beim Brand von Judenhäusern nur zu sehr zur Plünderung geneigt war. Anderseits suchte man begreiflicherweise auch von der Gegenseite der vom Ghetto aufsteigenden Feuersgefahr vorzubeugen. Eine