Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Ritualmord in Memel
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 318 (sequence 2)
- Language
- German
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318 M ENOR A II jüdische1 Gottesdienst, von dem er kein Wort versieht . . . Hat erst einmal der Gedanke — eine Einweihung durch unschuldiges Blut, wie es der Christ im Sakramente kennt, müsse auch der Jude haben — festen Fuß gefaßt, so ist alles weitere leicht davon abzuleiten. Christus war ..unschuldig" und wurde von den Juden zum Tod geführt. Und dies geschah am Passah — ein Ersatz für das Pas.sahlamm. Kinder und junge Frauen, Jungfrauen sind auch „unschuldig" — unschuldig von der Geschlechtssünde, die ja in christlicher Vorstellung eine so große Bedeutung hat. Und so erfolgt in der Phantasie die Gleichsetzung dieser „Unschuldigen" mit dem Heiland selbst. So flammt der Verdacht auf: die Juden, die ja zu ihren Ostern Christi Blut vergossen haben, das seine Gläubigen im Sakrament genießen, brauchen auch heute ..unschuldiges" Blut, das sie wie diese — nur zu anderem Zweck — genießen müssen. Das Blut christlicher Kinder, Jungfrauen . . . Und nun beginnt erst das eigentliche Problem klar zu werden: der C brist, der — zum Unterschied vom Juden — an die besondere Kraft „unschuldigen" Blutes glaubt, glaubte auch tatsächlich lange Jahrhunderte hindurch an die besondere Kraft des mystisch wichtigen Jungfrauen- und Kinderblules. Überreste dieses Glaubens linden sich in den abergläubischen Volksrezeptcn aller Länder. Die ..unschuldige" Jungfrau hat Zaubergewalt. Ihr Blut, auch ihr Menstruationsblut, hat Heilkraft. Und bis heule, bis in die Großstadt, zittert noch immer der schreckliche und scheußliche Aherglaube an die besondere Heilkraft des Blutes nach. Aber wer sich nicht mit den Überresten solchen Blutaberglaubens im christlichen Europa zufrieden gibt, um die Blutlüge gegen die Juden menschlich verstehen zu lernen, der muß in die Tiefen der schwarzen Magie hinabsteigen, wie sie seit den Kreuzzügen in Europa lebendig wurde. Was den Albigensern und den Tempelrittern vorgeworfen wurde — ..Schwarze Messen" zu feiern — das sah das christliche Europa schaudernd in moderner Zeit talsächlich. Es gab in Paris wirklich einwandfrei festgestellte Fälle von Salanismus, wo Mitglieder des französischen katholischen Adels bei Schwarzen Messen versammeil, das Opfer des ..ungehörnten Böckleins" brachten — das heißt, in gotlesdienstlicher Form Kinder am Allare des Satans schlachteten, in Verbindung mit anderen Orgien. Diese Schwarzen Messen gingen von der Anschauung aus, daß Satan der Gegenkämpfer Christi sei. (übrigens auch in gewisser Anlehnung an überspitzte kirchliche Lehren der Herr dieser Well — und deshalb anbetungswürdig und mächtig. Diese Anlehnung geht natürlich auf die ebenfalls typisch christliche und den Juden unverständliche Auflassung zurück: ,,Mein Reich ist nicht von dieser Well", woraus folgerichtig und in Erinnerung an die Salanophanie Christi am Hohen Berge — .,alle diese Reiche will ich dir geben . . ." die theologische Gleichsetzung erfolgte, daß diese Welt vom Satan regiert werde, daß Satan — Welt sei.) Verehrten nun die Gläubigen Christi den ..König des Himmels" in der Messe der Kirche, so mußten folgerichtig die Verehrer Satans ihn in der Schwarzen Messe mit einer Umkehrung der kirchlichen Zeremonien anbeten. Das Kreuz Satans ist ein anderes — wozu übrigens bemerkt werden könnte, daß jeder Kabbaiist unschwer im Hakenkreuz ein satanisches Symbol erkennen wird. Und wie in der Kirche mystisches Blut Christi genossen wird, um sich mit Christo zu vereinigen, tranken hier Salanislen wirkliches Menschenblul als Sakrament des Teufels. Das gab es wirklich — allerdings nur in christlichen Sekten, und auch hier nur ganz vereinzelt, in Kreisen wahnsinniger intellektueller Dekadenten. Letzten Endes gehört ja auch Marquis de Sade in diesen Kreis hinein — geistig und sittlich — ohne nachweisbar Satanisl gewesen zu sein. Aber begreiflich ist es, daß der christliche Bauer jene Überlegungen, die in grausigen Einzelfällen sich in christlichen Köpfen