Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Die Karäer
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 313 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE KARÄER 313 Joseph b. Abraham Roch, der wegen seiner Blindheit und seiner ,:I)ie Leuchte" betitelten Schrill der ./Hellsehende" genannt wurde. Er polemisierte gegen Saadja Hagaon. Er schrieb im (leiste der Mulaziliten (System islamischer Philosophie). Indessen hat ihn keines seiner Werke so berühmt gemacht, wie dasjenige, worin er gegen das System der Verwandtschaflsübertragung ankämpfte. Unter den Nachfolgern Anans gab es einen hervorragenden Lehrer und Führer Benjamin AI Nahavendi (MO bis cS5(); er soll ein Schüler von Anans Enkel gewesen seinl. Er milderte beträchtlich die Ananilische Strenge. Er pflegte der allegorischen Bibelauslegung zu huldigen. Nach Art Philos entlehnte er sogar von ihm seine Logoslhcorie. Die Karäer zollen ihm dieselbe Verehrung wie Anan. Er schrieb hebräisch, sonst schrieben die damaligen Gelehrten a rabisch. Im neunten Jahrhundert gab es karäische Schriftsteller, die den Gründer der Sekte stark angriffen. Ein sehr bedeutender karaiüscher Autor. Daniel ben Moses al Kumisi, war zunächst ein enthusiastischer Anhänger der karäischen Sekte und nannte Anan ,,Rosch hamaskilim" (..Das Haupt der Vernünftigen"). Nachher nannte er ihn, seiner Enttäuschung Ausdruck gebend. ..Rosch ha-ksilim" (,.Haupt der Toren"i. Ein Jahrhundert ungefähr nach Anan lebte Nisi ben Nonch, dem die Wiedereinfühlung der Jevilischen Reinheilsgeselze zugeschrieben wird. Er behauptete gegen das talmudisehe Judentum, daß die levitischen Reinheilsgeselze nicht mit dem Untergange des Tempels außer Krafl gesetzt seien. Nissis Lehre fand unter den Karäern Reifall. Sie näherten sich dadurch den Samarilancrn. welche ebenfalls die levitischen Reinheilsgeselze beobachteten. Diese Einführung erschwerte ganz besonders das Leben der Krauen. Sie müssen in gewissen Zeiten in einem abgeschiedenen Winkel der Wohnung hausen. Alles, was sie zu dieser Zeit berühren, muß je nach der Natur des Gegenstandes gewaschen, verbrannt oder zerbrochen werden. Im zehnten Jahrhundert lebten in Jerusalem ()() karäilische Büßer. Sie verließen ihre Kamilie, ihr Hab und Gut, fasteten und beteten. Dieses Büßerleben führten sie, um die Erlösung Israels herbeizuführen. Sie nannten sich Trauernde um Zion'* (..Awele Zion"). Diese (>() Büßer in Jerusalem scheinen einen großen Einfluß auf die Karäer ausgeübt zu haben. Von ihnen erhielt das religiöse Leben der Karäer im allgemeinen ein asketisches Gepräge1. Sie bildeten ein einigendes Band für die karäischen Gemeinden. Im zehnten Jahrhundert breiteten sich die Karäer sehr aus. Sie hallen Anhänger in Ägypten, Syrien, Babylonien. Persien und zunächst in Palästina. Saadja Hagaon hat. — als sie in der zweiten Hälfte des elften Jahrhundeiis ihre Tätigkeit aus Asien nach Europa zu übertragen begannen durch seinen mächtigen Intellekt und seine wissenschaftlichen Angriffe über sie den Sieg davongetragen. Ein Hauplgegner Saadjas war Salomon ben Jeriicham. Der erwähnt»1 Gaon bildete den Gegenstand der Atlacken auch in späterer Zeil. Nach dem Tode Saadjas. 942, gewann das Karäertum wieder die Oberhand. Sabal ben Mazliach (einer der sechzig Büßer) machte große Propaganda für das Karäertum. Jakob ben Samuel Saadjas Jünger kämpfte gegen ihn. Gegen Ende des zehnten Jahrhundeiis war Josef b. Jakob Alkarkasani und sein Anhang gegen die philosophische Forschung. Seil damals gab es ein Schisma unter den Karäern: Anhänger der philosophischen Forschung und deren Gegner. Im elften Jahrhunderl, wahrscheinlich infolge der Kreuzzüge, scheint geistiger Waffenstillstand geherrscht zu haben. In der ersten Hälfte des zwölften Jahrhundeiis bekämpfte die Karäer Ahr. Ihn Esra. Der karäische Hauplgogner hieß Juda ben Elia Hadassi in Konstantinopel. In der byzantinischen Epoche sanken die orientalischen Karäer rasch. Besonders seit dem Erscheinen unseres größten Religionsphilosophen Maimonides in Ägypten. Trotzdem diese Leuchte des Judentums tolerant war, war er doch bemüht, seine Gemeinde dem karäischen Einflüsse zu entziehen. In seinem Kommentare zum Mischnah-Traktnt ..Aboth" spricht er