Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1929-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1929) · p. Seite 314

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1929)
Article
Die Karäer
Date
1929-05-01
Page
Seite 314 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2912821-2912891-2912896-2923625--07916-2923783
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

314 M E N O R A II von den Karäern als von den „Kitolh arurolh" (verfluchte Sekten). Seine Hauptwerke, das aus 14 Büchern bestehende talmudische Kompendium ..Mischne-Thora" und sein philosophisches Werk ..Der Führer der Verirrten" (..Dalale al chä'irin" in arabischer Sprache, bekannt als „More nebuchim" in hebräischer Übersetzung von Ihn Tibbnl übten eine phänomenale Wirkung aus. Der Einfluß Maimonides' bei den orientalischen Karäern war so grott, daß karäische Autoren jener Zeit ihn anerkennungsvoll zu zitieren pflegten. Die Autorität und der Ruf Mainionides unter Juden und auch unter Mohammedanern wirkte schwächend auf das Karäertum. War er doch Leibarzt des Kalifen und Oberhaupt der jüdischen Gemeinde in Kairo. Seit damals konnte das Karäerlum sich nicht nur nicht weiter entwickeln, sondern es verlor konstant an Boden. Verschiedene karailischc Gemeinden in Ägypten, in Palästina, in Syrien, Babylonien, Persien und im nördlichen Afrika verseil wanden allmählich. Teils traten sie zum Islam über, doch meist vereinigten sie sich mit den Rabbinilen. Estori Tarehi erwähnt den Übergang einer ganzen Gemeinde ägyptischer Karäer (131.3) zum Rabbinismus. Ein Nachkomme Maimonides war damals jüdischer Gouverneur „Nagid". Die letzte Epoche des Karäerlums ist die manisch-russische. Petaehja von Regensburg fand im zwölften Jahrhundert im südlichen Rußland — das damals von mongolischen Talaren okkupiert war — Anhänger Anans. Am Ende dieses Jahrhunderts siedelte der litauische Großfürst Witold eine Anzahl Karäer von der Krim zusammen mit gefangenen dortigen Tataren als Kolonisten in Litauen an. Ein Teil der Stadt Troki im Gouvernement von Wilno war diesen Siedlern angewiesen. Manche emigrierten nach anderen litauischen Städten, wie nach Luzk, Wolhynien (das damals zu Litauen gehörte) und nach Halicz in Galizien. Abraham b. Salomo Firkowitsch (1786 bis 1874) leistete für seine Glaubensgenossen Denkwürdiges. Sein Name erinnert nicht nur an seine über fünf Jahrzehnte sich erstreckende schriftstellerische Tätigkeit, sondern an eine der größten historischen ..Fabriken". Er gab vor. in der Krim karaitische Antiquitäten gefunden zu haben, wonach die Karäer schon zur Zeil des Bestehens des Tempels zu Jerusalem in der Krim gelebt hallen (,,Alljüdische Denkmäler in der Krim", llarkavv). Er halle an Hand seiner ..Entdeckungen" jedem Zusammenhange mit den Juden und dem Judentum entsagt und verlangle die Bezeichnung ..russische Karäer". Dank seiner Arbeiten und mancher bedeutender Geschenke an einflußreiche Personen —- wie es damals Brauch war ~~~ gelang es ihm. den russischen Karäern 1803 volle bürgerliche Freiheit zu erwirken. Der bekannte antisemitische Minister Nikolai Ignalief bestätigte dies nachdrücklichst im Jahre 1881. Man muß zugeben, daß Firkowitsch auch viel wertvolles Material gesammelt hat. Fr hat nicht nur der karäischen Literatur, sondern auch der Geschichte und Literatur des Rabbinismus und der Samaritaner Dienste geleistet. Die Karäer nannten ihn ..Ewen Besehet" nach den Anfangsbuchstaben seines Namens. Aber er ..fabrizierte" Epigraphen in Manuskripten. Er änderte Daten und interpolierte Namen von Ortschaften in der Krim und Namen dortiger Persönlichkeiten, um zu beweisen, daß die Karäer seit der Zeit des assyrischen Königs Shalmaneser in der Krim ansässig seien. Dies fand Glauben und führte zur Emanzipation der Karäer. Die Karäer sind als Sekte dem Untergang geweiht. Welche Bedeutung diese Jerusalemer Slammgemeinde für die Karäer zu haben pflegte, ist auch aus Rubin Fahns Schrift ..Lkorolh Hakraim begaliziah" (..Zur Geschichte der Karäer in Galizien") zu ersehen. Er erzählt, wie ein gelehrter Karäer aus Jerusalem die auswärtigen Gemeinden inspizierte und zum Beispiel auf die Zustände der Karäer in Halicz, Galizien. die litauischen Karäer aufmerksam machte. Die Gemeinde in Jerusalem, die neun männliche Mitglieder zählt, veranschaulicht allzu deutlich das nahende Ende. Esther fall es es.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.