Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Die Libanonrepublik
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 307 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 2× ep/1047833
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DIE L1 B A N 0 N R E P U B L I K 307 Jakobiler und syrische Katholiken, die beide ebenfalls noch aramäisch belen und es in Mesopotamien noch als Umgangssprache sprechen. Katholiken des lateinischen Ritus, Protestanten und Armenier. Dies allein auf der christlichen Seile, ohne daß diese. Aufzählung vollständig ist! Dazu kommen dann auf der mohammedanischen Seite Sunniten, Schiiten hier an Zahl nicht viel schwächer als die crsleren ziemlich durchwegs zur Mclualscklc gehörend und Drusen. Schließlich gibt es auch noch eine winzige jüdische Minorität, sicher nicht mehr als fünftausend Seelen, fast durchwegs in Beirut. Aber alle diese verschiedenen (iruppen und ü rüppchen zusammengenommen sprechen Arabisch, genau wie ihre Nachbarn im Norden. Osten und Süden, die Juden in Palästina ausgenommen. Und das ist es, was die Republik so merkwürdig macht. Ihre Einwohner unterscheiden sich äußerlich in nichts von den Syrern, außer wenigstens in der Mehrheil in ihrer Religion. Selbst ihrer Abstammung nach ist der Unterschied nicht sehr wesentlich. Denn auch die Syrer des Inlandes sind mit europäischen Elementen vermischt und zum guten Teil dieselben allen Einwohner des Landes wie im Küstengebiet, wenn sie auch einen starken arabischen Einschlag haben. Aber schließlich ist selbst der Unterschied zwischen Phöniziern, Syrern und Arabern, die alle semitische Völker sind, nicht so bedeutend. Äußerlich in der Physiognomie kann ich überhaupt keinen Unterschied finden. Religiös sind aber die Christen hier, vor allein die gebildete Schicht, die sich besonders heilig für die Unabhängigkeit dieses Staates von Syrien einsetzt, nicht stärker interessiert, als es heute die westliche' Welt ist. Es sieht so aus. als ob man sich im Zeitaller des primitiven Aufklärungsrationalismus befände. Warum ist also die christliche Bevölkerungsmajorilät so erpicht auf die Selbständigkeit des Libanon, daß hier die geringste Maßnahme, die mit irgend eine Verbundenheit mit Syrien hindeuten könnte, eine größere Aufregung hervorruft als unter den Juden die Propaganda für den Anschluß Palästinas an eine arabische Förderation oder sogar für den binationalen jüdisch-arabischen Staat? Ein Beispiel dafür: soeben gelangte das Abkommen über die ollomanische Schuld vor das Beiruter Parlament. Es enthielt auf Wunsch der Gläubiger eine Klausel, die die französischen Mandatsslaalen für ihre Quoten gegenseitig haftbar macht. Also eine rein finanzielle Sichcrheilsmaßregel. Hier sah man aber darin das Produkt der Anschauung, daß zwischen der Libanonrepublik und Syrien irgend eine Gemeinsamkeil bestehe und machte daraus eine große politische Affäre. Die Deputierten sträubten sich mit Händen und Füßen gegen die Ratifizierung dieses Artikels trotz starken Druckes des französischen Oberkoiumissariats. In letzter Minute gelang es diesem eine Majorität für die Annahme zustande zu bringen. Das Maronilenblatt „L'Orient" brachte das Resultat am Kopfe in schwarzem Rahmen mit der Inschrift: ..Soundso viele Deputierte stimmten gegen den Libanon für Syrien." Im gleichen Sinne, nur im Ton gemäßigter, äußerte sich die übrige christliche Presse. Die Antwort, die ich von dem Präsidenten der Republik, Herrn Charles Debbas. einem Orthodoxen, auf meine Frage nach dem Grunde dieses Dranges zur Selbständigkeil bekam und genau so von allen anderen Christen, mit denen ich sprach, war: ,,Dcr Libanon gehört zu Europa. Syrien zu Asien. Wir sind Europäer und wollen Europäer sein, die Syrier sind Orientalen und fanatische Mohammedaner. Beirut ist eine europäische11 Stadl, Damaskus eine orientalische. Mit christlicher Religion hat das nichts zu tun, die Republik ist weltlich, aber die ganze Bevölkerung des Küstengebietes, auch die Mohammedaner mit eingeschlossen, bilden eine besondere Gruppe gegenüber den Bewohnern des Inlandes." Ein junger Maronil hat das Gefühl der Christen am deutlichsten ausgedrückt, als er mir sagte: „Ich bin vielleicht gar kein Christ, sondern Atheist, ich denke gar nicht daran, zur Kirche zu gehen. Aber ich bin Libanese aus Selbsterhaltungstrieb." Christen bedeutet hier nicht eine reli-