Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Die Libanonrepublik
- Date
- 1929-05-01
- Page
- 306 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
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DIE LIBANON REPUBLIK Von Ernst 13 a v i s Vermutlich wissen nic ht vidi; Leser dieser Zeilschrift, daß es fliesen Staat gibt. Was nördlich von Ras en Nakura (an der Straße Haifa-Akko-Beirut. Grenze zwischen dem englischen und französischen Mandatslerritoriuin) liegt, ist für die meisten, die für den Palästinaaufban sich interessieren, Syrien, ein Teil des „arabischen Meeres". Hier ist in den letzten Jahren auf französischem Mandalsterritorium ein staatliches Gebilde entstanden, ein Zwergstaat mit sechshunderltausend Einwohnern, aber sehr zu Unrecht von den Zionislen wenig beachtet. Denn sechshundertlausend Menschen, ein Drittel weniger Bevölkerung als das West jordanland. stellen im Orient eine Macht vor, und dann ist dieses Gebilde seiner ganzen Struktur nach, unabhängig von seiner Größe, an sich äußerst interessant. Von Ras en Nakura bis nördlich Tripoli. ins Innere hinein bis zum Kamm des Hernion und des Anlilibanon erstreckt sich das Gebiet der Libanonrepublik mit der Hauptstadt Beirut. Die Republik ist noch jung. Erst im Jahre 192(i wurde sie konstituiert mit Präsidenten. Ministerien. Deputiertenkammer und Senat, als Nachfolgerin des 1920 proklamierten Großlibanonstaales. Auf diesem kleinen Territorium, dem Landstrich, der nach dem Zusammenbruch der Kreuzfahrcrstaaten am längsten dem zweiten Angriff des Islam widerstand, hat sieh ein Teil der allen Einwohner Syriens, vermischt mit Europäern, erhalten, der niemals dem Druck der arabischen Eroberer ganz nachgab und unter ihrem wie unter dem türkischen Joche wenigstens seine Religion bewahrt hat. Es sind das Nachkommen der alten Phönizier, die bei Beginn des Christentums den neuen Glauben angenommen hatten, untermischt mit Christen aus anderen Teilen Syriens, die in die Berge geflüchtet waren. Wohl gibt es auch sonst in Vorderasien Christen, Nachkommen der allen Bevölkerung, die den arabischen und türkischen Eroberern zum Trotz ihrem Glauben treu geblieben sind. Aber überall nur als versprengte Einzelgruppen, als mehr oder minder kleine Minoritäten und, abgesehen von den Assyrern im Irak und noch einigen Ausnahmen, vollkommen dem Einfluß der mohammedanischen Herrscherklasse verfallen. Aber hier haben sich die Christen bis auf den heutigen Tag als kompakte Masse, nicht als Minorität, sondern als Majorität erhalten; sicher nicht zuletzt, weil sie Europa so nahe sind und Zuzug aus dem Westen, besonders während der Epoche der Kreuzzüge und der Herrschaft der Handelsimperien der Venezianer und Genuesen bekamen. Wohl dabeiist das Bewußtsein ihrer Verschiedenheit von den mohammedanischen Eroberern so lebendig und kräftig geblieben, daß es das Streben nach politischer Selbständigkeit erzeugte. Praktisch haben sie in den Bergen des Libanon während der arabischen wie während der türkischen Herrschaft immer Selbständigkeit bewahrt, bis sie 18ß0 nach den Christenmassakern auf Intervention der Großmächte auch formell eine weilgehende Autonomio erhielten. Diese Autonomie wurde 1915 von den Türken aufgehoben. 1920 wurde der Staat Großlibanon mit einem weil vergrößerten Territorium geschaffen, der aber nicht von Bestand war. Es ist ein sehr buntes Volk. General Gouraud soll in Syrien, wie mir ein Kirchenfürst erzählte, sechsunddreißig verschiedene Religionen festgestellt haben. Die Gntersuchungskommission des Völkerbundes über den Drusenaufstand berichtet immerhin von achtzehn einander mehr oder weniger entgegengesetzten religiösen Gruppen. Einen Auszug davon findet man im Libanon. Da sind die Maroniten, hier die stärkste Gruppe, mit Rom unierte Christen — eine Aliart des alten syrischen Ritus, die noch heute als Gebeissprache den westlichen Dialekt des Aramäischen benutzen —, da sind Griechisch- Orthodoxe, griechische Katholiken, syrische