Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 288 (sequence 8)
- Language
- German
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288 M ENÜRAH ,.Jüdisches Blut ist vogelfrei!" weinte heftig der Schlächtergehilfe aus Berditschew. „Fort!** feuerte die Menge an. „Fori!" jammerten heiser die Weiher. (huppen von Männern, Weihern und Mädchen, jung und alt durcheinander, lange Ka flaue, rasierte Härte, geschnörkelle Stirnlöckchen, Weiher in Häubchen und mil aurgelösten Zöpfen, lackierte Kappenschirme und seidene, chassidische Käppchen drehten sich im Reigen; alle schrien, lärmten, diskutierten und schlugen mit eleu Händen um sich. Bei diesem Sturm schlich ich mich unbemerkt hinaus und gewann wieder meine Männersecle . . . Ein blonder, bebrillter junger Mann namens Blumen leid kroch auf ein umgestülptes Faß und begann mit lauter Stimme: ,,Schwarz! Ich sein* alles in Schwarz! Die Zukunft der Kolonisation ist in Dunkel gehüllt. Wir sind betrogen worden: Brüder, wir sind betrogen worden! Nicht hier ist der Ruheort, den das jüdische Volk erstrebt. Die Beamten des Baron Hirsch sind nicht die geeigneten Kapitäne, die imstande wären, unser irrendes Schill' aus den stürmischen Wellen zu führen, die es verschlingen wollen . . . Nicht sie sind die treuen Hirten der verlorenen und umherirrenden Schäflein! Habt ihr es denn. Brüder, den ganzen Weg hindurch nicht bemerkt? In Lemberg, Krakau und Hamburg, überall haben uns die Beamten der Komitees niil Grausamkeit behandelt. Wie Arrestanten wurden uns die Taschen nach Geld durchsucht, sonst hieß es — zurück an die russische Grenze! Hätte es nicht diesen wahren Engel Gottes gegeben, jenen A b r a h a m — sein Familienname ist mir leider unbekannt, der mit seiner Frau in einer Ecke des Krakauer Komiteelokales saß und jedem Armen half, indem er für ihn hundert Kronen oder noch mehr vorstreckte, hätte es ihn nicht gegeben, weiß Gott, wieviel Unglück uns noch beschert gewesen wäre?! Ich sage euch, Brüder. — schrie er enthusiastisch — die deutschen Juden, das Volk, die breite Masse hat uns mit Brot und Milch an der Grenze empfangen, hat uns mit brüderlicher Liebe und Mitgefühl das Geleite gegeben, die großen Herren hingegen, die Führer und philanthropischen Macher sind uns mit Spott und Verachtung begegnet! Erinnert ihr euch nicht, wie man euch die Muskeln abgetastet hatte, wie den Sklaven von einst? Das tat man dort, in den Komitees, und hier, auf argentinischem Boden, trieben sie uns tagsvorher wie eine Viehherde durch Sturm und Gewitter, durch Nacht und Nebel. Vielleicht gibt es noch Kranke im Walde und im Felde draußen, es wird sie gewiß das Fieber packen