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Menorah · 1929-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1929) · p. Seite 287

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-05-01
Page
Seite 287 (sequence 7)
Language
German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 287 unsere Reihe die dritte von der Ausgangstüre, weshalb mir die Ehre zuteil wurde, daß man über mich steigen mußte. Aus- und eingehende Frauen hütlen mich last zertreten. Ich kann noch von (duck reden, daß ich von folgendem Zufall bewahrt wurde: Eine junge Frau, die einen Topf hinaustrug, stolperte über meinem Lager und fiel zu Boden: sie schüttete die Flüssigkeil —~ wie dazumal die Tochter Hainaus - auf den Kopf eines alten Mütterchens. Dieses bei in Ohnmacht, und ein Gejohle, das zeitweise von schallendem Kinderlachen abgelöst wurde, hallte durch das Zelt. Ich lag ängstlich da. sah zur Türe» hin und dachte nach, wie man dieser Weiberhölle entrinnen könnte. Zudem ließ mir auch die Neugier keine Ruhe und bohrte unabläßlich in meinem Gehirn. Ich wollte wissen, wie es den anderen Kolonisten ergangen war — ich halte damals alle schon als Kolonisten angesehen! — und was der unterwegs zusammengebrochene Mann machte. Aber vor der Türe stand noch immer der pockennarbige Polizist mit der zusammengeilickten Schramme, die sich wie eine rote Schnur über sein gebräuntes Gesicht zog und vom Auge bis zur Oberlippe reichte: stand da mit seinem Säbel und hielt treue Wacht. Ich aber lag wie auf glühenden Kohlen und mußte für die Sünde büßen, daß ich mich zu den Frauen geschlichen und mich als solche verkleidet hatte . . . Plötzlich erschien ein kräftiger Jude mit einem dichten, blonden Bart vor der Türe. Der pockige Polizist bedeutete ihm mit der Hand, daß er nicht eintreten könne. Aber der hünenhafte Jude wollte juslament hinein und erklärte ihm in russischer Sprache: ..Meine Mascha, meine Frau, meine Kinder!" Der Polizist schüttelte seinen Krauskopf und sagte, er verstünde nicht, was er spreche. Aber der Mann drängle mit einem kräftigen Stoß den Ordnungshüter " beiseite, und im Nu blitzte der Säbel über den Kopf des Juden. Ein Strom von Blut ergoß sich über sein Gesicht und floß in den Bart hinein. „BluT!4" kreischten die Weiber auf. ..Blut Hießt! Man wird ihn erschlagen!"" Draußen vernahmen es die Männer und liefen von allen Seiten herbei. Der braune Polizist war klug genug und hatte das Weite gesucht. Dem Juden wurde das Blut gestillt und ein Verband angelegt. Die Wunde erwies sich als ungefährlich, aber das Geschrei und Getümmel wollte nieiht aufhören. „Blut!" wellklagten die Juden, ,,Der erste Morgen in der neuen Heimat und schon fließt unser Blut!*"

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