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Menorah · 1929-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1929) · p. Seite 286

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-05-01
Page
Seite 286 (sequence 6)
Language
German
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286 MENORAH Auf diese Weise führte sie mich an dem Polizisten vorbei, der vor dem Eingang eines großen Zeltes Wache hielt. Ich betrat das geräumige Zelt. In der dichten Finsternis lagen Hunderte von Frauen und Kindern in buntem Durcheinander auf der Erde. Vier schwülende Gaslaternen überzogen die Bedauernswerten mit ihrem Rauch. „Lege dich auf die Erde zu unseren Kindern", sagte meine Frau. ,.damit der Polizist nur ja nicht merke, daß du ein Mann bist, denn er hält Wache, damit sich keine Männer einschleichen . . Ich legte mich zu den Kindern und meine Frau warf alle ihre Kleider und Fetzen auf mich, denn es packte, mich ein Schüttelfrost: und vor Müdigkeit. Anstrengung und Ärger schlief ich fest bis in den Morgen hinein. Am frühen Morgen erwachte ich, es war Montag, den 31. August 1891. Das war der erste Tag unseres Aufenthaltes in Maurizio. und von diesem Tage an begann das Joch der Antreiber, Direktoren und Inspektoren der Kolonisation, und wie sie alle hießen, auf uns zu lasten. Durch ein Zellloch drang allmählich ein Schein hindurch, und endlich brach der Tag herein, der die Frauen und Kinder, die neben mir auf der Erde herumlagen, mit einem Meer von Licht überströmte. Ich wollte mich vom Lager erheben, aber meine Frau, die ..Schmugglerin", hinderte mich daran und flüsterte mir zu: ..Rühre dich nicht von der Stelle, der Polizist beobachtet uns; bis er sich wegwendet werde ich dich hinauslassen!" Hatte ich denn einen anderen Ausweg? Also legte ich mich wieder hin und musterte das Quartier des Baron Hirsch, das die Beamten seinen Kindern, wie man uns zu nennen pflegte, für die erste Nacht z u z u w e i sen 1 >el i eb t en. Es war ein großes, rundes Zelt, aus Segeltuch zusammengeflickt und auf Draht gespannt, die Wände bildeten zugleich das Dach . . . Mannigfaltige Stimmen, Gewein und Gesang, schwirrten aus der Menge der Kinder hervor, die keinen Augenblick stillhalten wollten. Zahlreiche junge Mütter drückten ihre entblößten Brüste ihren Säuglingen in den Mund, und jede sang ihrem Kinde eine andere Melodie zur Mahlzeit. Das Zelt war von so schrecklichem Lärm und Gepolter erfüllt, daß man förmlich taub werden konnte. Ein heißer Dampf, gemischt mit der Ausdünstung der Säuglinge und dem brechreizenden Schitt'sgeruch. blieb in der Kehle stecken. Zu meinem Leidwesen war

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