Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 285 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDEN SOLLEN BAUERN WEHDEN! 285 Leiche aussehende Alte wurde bei diesem Worte wie neugeboren. ..Wir sind geredet!" sagte er freudig und erhob sich. Wir ruhten gegen zehn Minuten aus und gingen, den Alten an den Armen führend, mit frischer HoH'nung dem Feuerschein entgegen. Sehr bald vernahmen wir Stimmen: ..Hu-ha. hu-ha! e—e—hepp!" Wir erwiderten den Huf und folgten den Stimmen. „Hierher! Hierher! Hier sind wir!", hörten wir aus der Nähe, und mit den letzten Kräften schleppten wir uns bis zu jener Stelle. VI. Ich verwandle mich in eine Frau und sehe jüdisches Blut fließen . . . In einem dünnen Wald, zwischen hohen Bäumen, brannte ein großes Feuer. Die Unseren kamen uns entgegen und brachten warme Suppe in Blechschüsseln: ..Trinkt und erwärmt euch! Trocknet eure Kleider hier am Feuer!" ermahnten uns von allen Seiten die Stimmen Mit fühlender. Unter einem dichten, verzweigten Baume stand ein starker, breitschultriger Mann mit einem hingen, roten Bart und buschigen .Brauen. Er verteilte aus einein Kessel Suppe und Fleisch, die er für die Ankömmlinge vorbereitet halte. Das war der litauische Schächter I saa k Krell, einer jener vierzig Leute, die Dr. Loewenthal hinausgeschickt hatte, um für die Familienväter Quartiere zu beschallen. Wir aßen unsere Mahlzeit zu Ende und sahen immer wieder neue (iruppen durchnäßter und halbverhungerter Leute ankommen. Sie erzählten, daß sich viele von ihnen verirrten und ersuchten um rasche Hille, da die Zurückgebliebenen in der unendlichen Steppe vor Hunger und Kälte umkommen würden. Bald erblickte ich meine Frau neben mir, das jüngste Kind auf den Armen. Mit Tränen in den Augen dankte sie (roll, daß sie mich lebendig wiedersah. ,,Ach". seufzte sie. ,.wir Frauen haben hier eine schreckliche Zeit durchlebt. Diese sauberen Leute, die euch wie das Vieh vor sich herlrieben, sind schon länger als drei Stunden hier: sie meldeten, sie hätten euch in der Dunkelheit verloren. Wir zerrissen unsere Kleider, tauchten die Fetzen in Petroleum und hängten sie brennend an die Zweige, damit sie den Verirrten als Signal dienen . . ." Ich war sehr durchnäßt und fror am ganzen Leibe. Meine Frau hatte einen guten Einfall. Sie legte ihren Schal ab und zog ihn über meinen Kopf. Dann reichte sie mir das Kind und flüsterte mir ins Ohr: „Nun bist du eine Frau, folge mir schweigend nach!"