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Menorah · 1929-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1929) · p. Seite 271

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1929)
Article
Edmond Fleg
Date
1929-05-01
Page
Seite 271 (sequence 6)
Language
German
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EDMOND FLEG 271 Asche schlummernde Glut zu hellodernder Flamme: die jüdische Seele bahnt sich den Weg zum Herzen des Dichters. Er besucht den Zionistenkongreß in Basel, bebenden Herzens, fieberhaft widmet er sich dem Studium der geistigen Werte des Judentums, indem er mit allen Fasern seines Herzens die Antwort auf immer neu auf ihn einstürmende Fragen sucht: „Was ist das Judentum? Was soll der Jude tun? Wie soll man Jude sein? Warum soll man Jude sein?" Die Wege Herzls und Flegs gehen bald auseinander. Während Herzt vor die Öffentlichkeit Europas tritt, um dem jüdischen Volke die Heimat, die Selbständigkeit zu erringen, zieht sich Fleg zunächst in seine Klause zurück. Er will in Israels Geist eindringen, begreift aber, daß dies nicht möglich ist, ohne seine Sprache zu beherrschen. Da setzt er sich nun hin, hebräisch zu lernen. Lernen? Nein, nur ins Gedächtnis zurückrufen, wie Fleg so schön sagt. Es gäbe, meint er, ein von den Ahnen ererbtes Gedächtnis und der späte Nachkomme erinnere sich der Sprache der Väter. Je mehr er im Studium des altjüdischen Schrifttums fortschreitet, um so größer wird sein Erstaunen: er findet all das, was ihn an Güte und Größe am Christentum am meisten gepackt hatte, in gesteigertem Maße im Judentum vor. Vor allem findet er aber seinen, von Israel verkündeten Gott wieder und verliert den Glauben an Spencer und Kant. Und dann spricht er in dem Abschnitte „Das ewige Israel" Worte heiß durchglühten Bekenntnisses zu Israel, das er schon verloren hatte und das er in sich zum neuen Leben erwachen fühlt. LJ as Buch widmet der Dichter seinem noch ungeborenen Enkel. Er hat zwei Jungen, von denen der eine neunzehn, der andere vierzehn Jahre alt ist. Nun spricht er zu dem im Schöße der Zeit weilenden späten Nachkommen: „Wann wirst du mein Buch lesen? Um das Jahr 1950, i960?" Und dann fügt er mit jüdischem Sarkasmus hinzu: „Wird man noch lesen im Jahre 1960? Welche Gestalt wird die Welt annehmen? Wird die Technik die Seele unterdrückt, wird sich der Geist ein neues Weltall erschaffen haben? . . . Wird es noch Juden geben?" Und da erwidert der Dichter mit Zuversicht: „Ich glaube: ja. Sie haben überlebt die Pharaonen, Nebukadnezar, Konstantin, Mohammed, die Inquisition und die Assimilation: sie werden auch das Automobil überleben." Dann fragt er in wehmütiger Stimmung das kleine Enkelkind: „Aber wirst du dich noch als Jude fühlen, mein Kind? . . . Wenn du eines Tages glauben wirst, Israels Feuer sei in dir erloschen, be-

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