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Menorah · 1929-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1929) · p. Seite 270

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1929)
Article
Edmond Fleg
Date
1929-05-01
Page
Seite 270 (sequence 5)
Language
German
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270 MENORAH Wiege stand nicht weit weg im Osten, nein, er kam aus Genf, einer Stadt, deren Einwohner stets als ultragallisch galten. Allerdings gab ihm das Elternhaus gute jüdische Tradition als geistigen Proviant mit auf den Weg. Das allein hätte ihn aber nicht hindern können, den Weg einzuschlagen, den seit der französischen Revolution vier jüdische Generationen vor ihm gegangen sind. Nun hat aber die jüdische Seele in Edmond Fleg den Sieg davongetragen und sein dichterisches Schaffen für die Folge entscheidend beeinflußt. In inniger Verknüpftheit mit dem Judentum, behandelt er in der Mehrzahl seiner Werke jüdische Stoffe. Auch sein jüngstes Werk ist dem Judentum und seinem Sein und Werden gewidmet. Lebendig und anschaulich, oft ergreifend und erschütternd schildert er in diesem kleinen, aber reichen Bekenntnisbuche („Pourquoi je suis Juif"*) seinen jüdischen Werdegang. Erführt uns in seine aus dem ElsaI3 stammende und noch von den Resten der an den Genfer See mitgebrachten jüdischen Tradition zehrende Familie ein. Da ist vor allem der Vater, der dem Judentum treu ergeben ist und oft, auch des Nachts, in hebräischen Büchern liest, wobei er ausruft: ,,C'est si beau!" Aber der junge Edmond glaubt es nicht, er lebt im Kreise französischer Kultur, für ihn hat das jüdische Schrifttum keinen Reiz. Er entschreitet denn auch allmählich dem Judentum, das, durch Unwürdige vertreten, seiner jugendlichen, empfangbereiten Seele nichts zu geben vermag, und betritt Wege, die ihn dem angestammten Volkstum immer mehr entfernen. Aber seine Seele dürstet nach Wahrheit, nach Trost. Auf der Suche glaubt er beide in dem Glauben an Jesus Christus gefunden zu haben. Dann kommt die Sturm- und Drangperiode des jungen Menschen, er lernt die Philosophen kennen, vertieft sich in die Werke von Spencer und Auguste Comte, und verliert schließlich seinen Glauben an Gott. Der junge Fleg fühlt sich entwurzelt. ,,Ich habe die Bräuche und Salzungen meiner Familie verlassen. Ich habe ihren Gott verworfen. Und siehe da, es verstummte in mir die tiefste Stimme meiner Rasse." Und dann vollzieht sich das Wunder: der Abwegige findet zum Judentum zurück, auf den Abstieg folgt das Emporklimmen zu Israels Höhen. Die treibende Kraft hiebei ist dasselbe Ereignis wie bei Theodor Herzl: der Dreyfus-Prozeß. Das dem Hauptmann der französischen Armee als Juden zugefügte Unrecht, die ihm angetane Schmach, die Hetze der judenfeindlichen Meute entfachen die tief unter der *) Deutsch unter dem Titel „Warum ich Jude bin" im Philoverlag, Berlin, tibersetzt von Mimi Zuckerkandl.

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