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Menorah · 1929-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1929) · p. Seite 269

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1929)
Article
Edmond Fleg
Date
1929-05-01
Page
Seite 269 (sequence 4)
Language
German
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EDMOND FLEG 269 läßt an knechtischem Sinne und Preisgabe des jüdischen Volkstums und seiner Hoffnungen wohl nichts zu wünschen übrig. Dann der Aulstieg: die aus einem starken Gefühl der Zusammengehörigkeit emporgewachsene Alliance Israelite, die in ihren ersten Jahrzehnten Ausgezeichnetes leistet. Hernach tritt wieder die Assimilation in ihre Rechte, in deren Taumel Israel ganze Geschlechter entgleiten. Aber immer wieder erstehen Männer, die das Judentum auf ihr Panier geschrieben haben: Salomon Münk, Albert Cohn, Zadok Kahn, Bernard Lazare, Max Nordau, Andre Spire und viele andere mehr. Der Philanthrop Baron Hirsch streckt von Paris aus seine hilfreichen Arme leidenden Juden entgegen und der Aufbau der neuen jüdischen Heimat in Palästina ist für ewige Zeiten mit dem Namen Edmond Rothschilds in Paris verbunden. Nach dem Weltkriege zieht die Stadt an der Seine eine große Anzahl heimatlos gewordener Ostjuden an, die — wie überall in ihren neuen Heimstätten — auch in Paris dem jüdischen Leben neue starke Impulse geben. Insbesondere ist es die jüdische Jugendbewegung, die in schwesterlicher Eintracht mit der jüdischen Studentenbewegung von hier ausgeht und nunmehr ganz Europa mit ihrem Netze überspannt. Wandert man durch die Stadt, auf der Suche nach den Spuren jüdischen Lebens, da bewundert man die schöne, imposante Baukunst der Synagogen in der Rue de la Victoire und in der Rue BufTault. Wärmer wird einem ums Herz, wenn man in der Nähe des Louvre in die alte Judenstadt gerät, in der die Ostjuden ihre Zelte aufgeschlagen haben. Da begegnet man noch braven jüdischen Baale-batim vom alten Schlag, da wTird noch im Bet-hamidrasch gelernt, in den Speisehäusern werden „Boulkes ä la fromage" aufgetragen, kurz und gut das ganze Leben atmet noch so recht die Stimmung der jüdischen Siedlung, erhellt vom Abglanz der Jüdischkeit. Dieses Ghetto hat auch eine Filiale in der Nähe der Rue La Fayette, der aber die innere Geschlossenheit fehlt. Man merkt ihr sofort die unorganische Eingekeiltheit in eine fremde Umgebung an. Ich glaube an eine jüdische Seele. Gott haucht sie oft irgendwo, in einem fernen Lande, weit weg von jüdischen Siedlungen in jüdische Menschen ein. Und die jüdische Seele ergreift nach hartem Kampfe Besitz von den jüdischen Menschen, die dann — wie es in der jüdischen Sage von den bösen Engeln heißt — gegen ihren Willen „Amen!" rufen. Eine jüdische Seele hat auch der Dichter Edmond Fleg, der Israel mit Ehren in der französischen literarischen Welt vertritt. Seine

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