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Menorah · 1929-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1929) · p. Seite 259

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1929)
Article
Der Sohn
Date
1929-05-01
Page
Seite 259 (sequence 21)
Language
German
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DER SOHN 259 Schwiegersohn, der Hohepriester Kaiphas, einander oft ins Wort fallend und begleitet von einem mißtönigen Chor der Ältesten, Schriftgelehrten und anderer Mitglieder der zügellosen Versammlung, daß dieser Jesus die Frechheit habe, sich Christus zu nennen, den König der Juden, sich für den Sohn Gottes ausgebe und gedroht habe, er werde den Tempel des Herrn vernichten. Überhaupt hätte man ihn nicht hierher gebracht, wenn er nicht ein Übeltäter wäre, und wenn sie selbst das Recht hätten, ihn zu kreuzigen, was sie nun, da solches ihnen nicht zustünde, von ihm verlangten, dem Statthalter des Kaisers, ihres Herrn. Und wieder ergellte von allen Seiten der Ruf: „Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz, ans Kreuz!" Inzwischen hatte der Angeklagte Jesus Christus den Richter erreicht. Pilatus betrachtete ihn und war so betrolTen von der Feinheit seines honigfarbenen, etwas gekräuselten Barl- und Haupthaares, dein Licht der sanftgeäderten Stirn und dem unsäglich friedlichen Blick, der unter den Schwingen der Brauen aus den dem Ätherblau vergleichbaren Augen floß, daß er die Waffenknechte hieß, ihre groben Hände von dem Gefesselten zu lösen, und diesen zum Verhör in das Innere des Hauses wies, mit einer Gebärde, als gälte es, einen edlen Gast zum Eintritt einzuladen. Die Verfolger waren unten geblieben, aus Angst, durch das Betreten eines Hauses gesäuerter Brote sich zu verunreinigen. Heiß schien jetzt die Aprilsonne auf ihre Leidenschaft und mahnte auch die Wirtin an das unerbittliche Verstreichen der Zeit. Sie drängte sich durch die Menge, das harte Schicksal ihres Sohnes beklagend, erregte immer mehr Aufmerksamkeit und Mitgefühl und stieß schließlich auf einen ihr von ehedem bekannten Tempeldiener, der sie zu beruhigen suchte, indem er sie fragte, ob ihr denn nicht jener Osterbrauch bekannt sei, der das Volk berechtige, einen Verurteilten von Pilatus loszubitten. Nein, das hatte sie nicht gewußt, aber sie atmete auf und ging nun flehend von einem zum andern, man möge ihren Sohn losbitten. Durch den Diener veranlaßt lieh ihr auch einer aus der Gruppe der Schriftgelehrten das Ohr, und während die einen immer hitziger und gieriger die Verurteilung des Jesus Christus für unabwendbar nach römischem und jüdischem Gesetze erklärten, befaßten sich die anderen, den Bart streichend und milde Zustimmung nickend, mit der Begnadigung des Jesus Barabbas. Pilatus kehrte vom Verhör mit Jesus Christus zu der harrenden Menge zurück. Er bestieg den Richtstuhl, der auf hohen Pflastersteinen

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