Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Der Sohn
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 245 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DER SOHN 245 formt nach seinem Bilde4. Hier ist schamloseste Glaubensleugnung, absolute Gottlosigkeit. Von allen Dichtungen dieses Erzheiden ist diese die heidnischeste Barbareil" Doch da er am nächsten Tage meine schweigende Bekümmernis merkte, berührte er meine Schulter und sagte: „Sei ruhig, Franz, du wirst morgen mit mir zufrieden sein." Ich traute ihm nicht. Als aber die Stunde kam, und ihn der Lehrer in scharfem Tone fragte: „Sind Sie vorbereitet?" erwiderte er: „Jawohl, Hochwürden!" und betrat sofort das Podium, so daß ich flüsterte: „Gott sei Dank!" In meiner Erregung sprach ich sogar halblaut den ersten Vers: „Bedecke deinen Himmel, Zeus.. ." Aber kein heidnischer Himmel bedeckte sich mit Wolkendunst, — was sich auftat, das war unser strahlender Himmel, dort, wo er am erhabensten und nur der Unendlichkeit christlichen Glaubens erreichbar ist. „Selig sind, die da geistlich arm sind," kam es aus dem Munde des Sprechers dort oben, „denn das Himmelreich ist ihrer." Er sprach langsam und mit Nachdruck, „Selig sind, die da Leid tragen — —" Lehrer und Mitschüler begriffen zunächst nicht, ich aber hatte sofort begriffen, daß mein Freund das unsterbliche Dornenkrongut tiefster Demut dem heidnischen Trotzgedicht trotzig entgegenhielt. „Selig sind die Barmherzigen--" Unruhe bemächtigte sich der Klasse, Lachen und Schwatzen klangen ineinander, ich hörte das dünne Meckern unseres Mitschülers Espen. „Verlassen Sie sofort das Podium!" rief der Lehrer, der vor der ersten Bankreihe stand. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen, aber seine Stimme überschlug sich. „Sofort!" Gabriel streckte die Arme aus, als wollte er uns segnen. „Selig sind, die reines Herzens sind----" Er sagte es mit solcher Inbrunst, daß Lachen und Schwatzen verstummten. Aber Pater Winkler war auf das Podium gesprungen. „Hinunter!" schrie er, dunkelrot im Gesicht. „Selig sind die Friedfertigen---" Der Lehrer hatte Gabriel beim Arm gefaßt. Da ließ ich mich zu dem Ausruf hinreißen: „Es ist ja die Bergpredigt, Hochwürden!" „Wer spricht?! Wer will mich hier belehren? Das ist die Bergpredigt nicht, das ist schändlicher Mißbrauch mit ihren Worten im Dienste des Aufruhrs. Das ist Gotteslästerung, jawohl!" Er hatte von Gabriel abgelassen und dieser fuhr fort, mit erhobener Stimme: — denn sie werden Gottes Kinder heißen." Da packte ihn Pater Winkler neuerlich beim Arm: „Mit mir