Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Judentaufen in der Ukraine vor 200 Jahren
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 237 (sequence 3)
- Language
- German
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JUDENTAUFEN IN DER UKRAINE 237 Rektor der Akademie, Grigory Koninski, schrieb damals: Konstantin Krjschanowski ist „fähiger als die anderen und an Spraehkenntnissen kann sich niemand mit ihm messen". Im Jahr 1758 ist Konstantin Krjschanowski bereits Prediger in der Sofienkirche in Kiew, bleibt jedoch auch weiter der Fachmann der Akademie für Französisch und Jiddisch. Später macht er große kirchliche Karriere, schreibt Bücher und bereichert die Kirchenliteratur um eine Reihe von Werken. Das sind gleich zwei Beispiele von Juden, die* aus der Ukraine nicht vertrieben werden wollten, zum Christentum übertraten und dann hoch emporkamen. Doch Prof. Rybinski bringt auch zahlreiche Dokumente über sonst unbekannte Juden aus der Masse, die dem Erwerb zuliebe schon vor 200 Jahren sich zum Glaubenswechsel entschlossen haben. Der Vorgang bei der Taufe war damals folgender: Wollte jemand zum Christentum übertreten, so erschien er bei einem der Kiewer Grenzposten und gab die Erklärung ab, er wolle den orthodoxen Glauben annehmen. Die Grenzposten hatten strikten Befehl, solche Deklaranten unter allen Umständen festzuhalten; auch wenn sie aus Polen stammten oder Flüchtlinge waren, durften sie nicht ausgeliefert werden. Der Taufkandidat bekam einen Wächter, der ihn festhielt, auch wenn der Jude seine Erklärung bereute. Das Sammelbuch enthält auch ein Protokoll mit einem Dragoner namens Kurbatow, der einen polnischen Juden, welcher sich zur Taufe gemeldet hatte, zu bewachen gehabt und hatte entkommen lassen; dafür kam der Dragoner vors Militärgericht. Der Grenzposten sandte den „Zycl" der berühmten Kiewer „Petscherskaja Lawra" — dem Kloster und zu dem Metropoliten oder dem Konsistorium. Nach der Taufe erhielt der Jude sofort einen Paß mit dem Wohnrecht in der Stadt; doch der Paß mußte die Bemerkung enthalten: „Täufling jüdischer Abstammung". In vielen Fällen war die Taufe für die Juden nur ein Mittel, um sich in der Ukraine eine Zeitlang aufhalten zu können; wenn ein Jude Ware aus Polen über die Grenze brachte und für sich und seine Ware freien Einlaß haben wollte, gab er der Grenzwache die Erklärung ab, er wolle Christ werden, und unterzog sich der Taufzeremonie. Wenn er dann seine geschäftlichen Transaktionen beendet hatte, kehrte er heimlich wieder nach Polen zurück. Einmal wäre es wegen eines solchen Täuflings beinahe zu einem diplomatischen Zwischenfall mit Polen gekommen; es fand damals ein längerer Notenwechsel statt, der um folgenden Sachverhalt ging: Der Jude „Itzko", in Brody geboren, war im Jahre 1751 zum russischen Grenzposten gekommen und hatte erklärt, er wolle sich taufen lassen.