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Menorah · 1929-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1929) · p. Seite 236

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1929)
Article
Judentaufen in der Ukraine vor 200 Jahren
Date
1929-05-01
Page
Seite 236 (sequence 2)
Language
German
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236 MENORAH samer Untersuchungen über die Anfänge der jüdischen Kolonisation, über die Judenvertreibungen aus Kiew und dem podolischen Grenzgebiet in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, über die Schließung des Rabbinerseminars von Schitomir und über die Lage der Juden zur Zeit des Weltkrieges. Hier will ich mich nur mit der Arbeit von Prof. Wladimir Rybinski „Zur Geschichte der Juden in der Ukraine links vom Dnjepr" befassen, und davon nur mit dem Teil, welcher Nachricht über Juden taufen und jüdische Täuflinge in der Ukraine vor 200 Jahren gibt. Im Jahr 1742 erließ die russische Regierung ein Edikt, nach welchem in Rußland und in der Ukraine nur die Juden verbleiben durften, welche zum Christentum übertreten würden. Dieses Edikt entsprach völlig dem Geiste der Politik der Zarin Elisabeth, die auf Bekehrung ihrer Völker zum echten Glauben gerichtet war und zusammen mit den Seelen der Kalmücken, Tataren und Kirgisen auch die Seelen ihrer Juden retten wollte, indem sie sie mit Ausweisung bedrohte. Prof. Dubnow bemerkt dazu: „Dieses grausame Edikt brachte keinen der davon Bedrohten in den Schoß der orthodoxen Kirche." Daraus geht hervor, daß Dubnow der Ansicht ist, das Ausweisungsedikt des Jahres 1742 habe überhaupt keinen Fall von Taufe unter den Juden der Ukraine zur Folge gehabt. Es ist aber jetzt festgestellt, daß es damals doch Judentaufen gab und Prof. Rybinski bringt eine Reihe von geschichtlichen Hinweisen, die angeben, wer die Täuflinge waren und was aus ihnen wurde; diese Hinweise sind durch Dokumente, Belege und Archivmaterialien illustriert. Unter den jüdischen Täuflingen, die damals hohe Ämter in der Ukraine bekleideten, nennt Prof. Rybinski an erster Stelle die Brüder K r j s c h a n o w s k i. Der 'eine von ihnen, Anton Krjschanowski (er hieß vor der Taufe Moses), hatte in der Nähe von BjelajaZerkow gewohnt und sich zusammen mit seiner Frau taufen lassen. Durch die Taufe erlangte er Wohnrecht in der Stadt und wurde Intendant der ukrainischen Armee; als solcher spielte er eine bedeutende Rolle, bekam einflußreiche Verbindungen und wurde unter Zar Peter III. Oberst. Sein Bruder Konstantin Krjschanowski nahm im Jahr 1743 die Taufe, studierte im Ausland und wurde Professor der Kiewer Akademie; seine Spezialfächer waren Jiddisch und Deutsch. Einige Jahre später wurde er Priester und war Vorsteher der akademischen Kongregationskirche. Wenn ein französischer Dolmetscher benötigt wurde, wandte man sich an Konstantin Krjschanowski. Der

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