Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Judentaufen in der Ukraine vor 200 Jahren
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 238 (sequence 4)
- Language
- German
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238 MENORAH Er wurde dem Brauch gemäß nach der Gouvernementskanzlei und von dort ins Kloster gebracht, wo er für die Taufzeremonie vorbereitet werden sollte. Itzko hatte auch einige Faß Wein für den Generalgouverneur mitgebracht und im Klosterkeller eingelagert. Doch plötzlich traten Komplikationen ein: es wurde bekannt, daß Itzko vor seinen Gläubigern aus Polen geflüchtet war. Die polnische Regierung verlangte seine Auslieferung, doch Itzko hatte sich inzwischen aus dem Staube gemacht. Die polnischen „Behörden" wollten das nicht glauben und verdächtigten das Kloster, daß es Itzko verborgen halte. Der Metropolit empfand einen solchen Verdacht als Beleidigung und antwortete mit einem scharfen Protest. Die polnischen Behörden kehrten sich nicht daran und bestanden hartnäckig auf Itzkos Auslieferung. Schließlich verlief die ,,Affäre" im Sande. Die Getauften wraren verpflichtet, die Satzungen ihres neuen Glaubens getreulich zu befolgen. Darüber wurde strenge Kontrolle geführt: es war genau festgesetzt, welche Kirche der Getaufte zu besuchen, bei welchem Priester er zu beichten hatte. Doch da die Taufe in den meisten Fällen erzwungen war und die neuen Rechtgläubigen weiter dem Judentum anhingen, hatten die Behörden mit den Proselyten nur Unannehmlichkeiten. Das Sammelbuch bringt unter anderem ein Dokument, in dem ein Jude denunziert wird, er habe noch immer seine Riemen" (womit die Tefilin gemeint sind) in seiner Lade. Die Getauften mußten ihren Paß ständig bei sich tragen, andernfalls wurden sie ebenso bestraft wie Personen, die keinen Paß besitzen und überdies wegen Übertretung des Aufenthaltsverbotes für Juden in der Ukraine. Einmal wurde ein solcher Täufling, Wassil Lawrowski, ohne Paß angetroffen, sein Akzent verriet seine jüdische Abstammung; aus Furcht vor der harten Strafe versuchte es Lawrowski mit einer Ausflucht: er gab sich für einen Deutschen aus, den Sohn eines Obersten in Königsberg; nach Rußland sei er zusammen mit seinem Oheim gekommen, der Offizier im Wiborger Regiment sei. Doch zu Lawrowskis Unheil kannte der Kommandant, der die Untersuchung führte, das Wiborger Regiment genau und überführte den Täufling. Das hatte, wie aus den Materialien hervorgeht, traurige Folgen: Lawrowski wurde angebunden und ausgepeitscht und dann erst dem Kiewer Gericht überstellt. So lassen die Dokumente und Materialien des Sammelbuches, die bisher noch nicht veröffentlicht waren, ein Stück Geschichte der Judentaufen in früheren Jahrhunderten aus dem Dunkel emporsteigen. I. KJy'now