Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Article
- Judentaufen in der Ukraine vor 200 Jahren
- Date
- 1929-05-01
- Page
- 235 (sequence 1)
- Language
- German
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M ENORAH VII. JAHRGANG MAI/JUNI 1929 NUMMER 5/6 Judentaufen in der Ukraine vor 200 Jahren Im Verlage der ukrainischen Akademie der Wissenschaften in Kiew ist ein einzigartiges Werk in ukrainischer Sprache erschienen: ein Sammelbuch, das von der jüdischen historisch-archäographischen Kommission der Akademie herausgegeben ist. Diese historische Kommission hat selbst eine interessante stürmische Vergangenheit: seit Jahren führt die „Jewsektia" einen Kampf gegen die Kommission, denunziert deren Leiter, den jüdischen Gelehrten I. Galant und fordert die Reorganisation, ja die gänzliche Auflösung dieser jüdisch-ukrainisch-wissenschaftlichen Institution, die nicht unter ihrer, der „Jewsektia" Kontrolle steht — und die ukrainischen Gelehrten verteidigen die Existenzberechtigung der Kommission. I. Galant ist kein Kommunist; schon das ist eine Todsünde. Aber er ist auch offenkundig ein schwacher Jiddischist — und dafür gibt es keine Sühne. So läuft denn die jüdisch-kommunistische Presse von Zeit zu Zeit Sturm gegen den Historiker Galant — bisher freilich ohne Erfolg. Die Idee der jüdischen historischen Kommission der Kiewer Akademie wurde schon im Jahre 1919 geboren, aus der Erkenntnis, daß bis jetzt ein einheitliches systematisches1 Werk über die Geschichte der Juden in der Ukraine fehlt, nur einzelne Phasen aus der jüdischen Geschichte der Ukraine wurden von ukrainischen Historikern behandelt, und zwar unrichtig behandelt oder gänzlich übergangen. Daher überreichte eine Gruppe jüdischer Gelehrter nach der Revolution der Kiewer Akademie ein Memorandum, das die Notwendigkeit einer besonderen jüdischen historisch-archäographischen Kommission eingehend begründete. Diese Idee konnte jedoch infolge des Bürgerkrieges und aus anderen Gründen erst im Jahre 1923 verwirklicht werden. Von den Anregern der Gründung: Dinaburg, Kogan, Israelson und Galant ist nur Galant geblieben (die anderen sind ins Ausland gegangen). Jetzt besteht die Kommission aus sechs Personen und ihnen ist das Erscheinen des ersten Sammelbuches zu verdanken. Das Sammelbuch enthält vorwiegend Material, das sich auf die Geschichte der Juden in der Ukraine im 19. Jahrhundert bezieht; doch es finden sich darin auch neue Dokumente sowie eine Reihe bedeut-