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Menorah · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 219

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Article
Samuel Jacobs
Date
1929-03-01
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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SAMUEL J ACOB S 219 lag, schien zu rasten; ein leichter Dunsl stieg wie Schweiß von ihm auf. Die Menschen sprachen mit müden, schleppenden, gleichgültigen Stimmen. Sie wollten nicht denken und füllten die Zeit mit müßigen Reden aus. Irgendwo ratterte ein Karren, brüllte eine Autohupe, schrie ein Kind. In seinem kleinen Laden las der alte Jacobs im Gesetz, las es mil Freude und Genuß, wie ein anderer einen allen Wein trinkt oder eine erlesene Zigarre raucht. Sein Kopf verbeugte sich vor dem Buche, mil der Hand streichelte er seinen Bart. In der anderen Hand hielt er ein silbernes Lesezeichen, das die Form einer deutenden Hand hatte. Der weiche Duft orientalischen Tabaks erfüllte den Raum. Frau Jacobs Kopf erschien im Türrahmen. ..Ist Sammy noch nicht gekommen?" fragte sie. Der alte Jacobs blickte vom Buch auf. Gereizt und ärgerlich. In der Freude des Lesens hatte er völlig den Sohn vergessen, und nun war ihm zu Mute, als wäre er aus einem süßen sanften Traum aufgeschreckt und in die frostige Wirklichkeit gestoßen worden. ..Nein4*, erwiderte er und kehrte zu seinem Buch zurück. Aber er konnte nicht länger lesen. Sams Bild schob sich zwischen ihn und die weisen Ratschläge des alten Rabbi. Vor dem Buch stand Sani, in seinen engen Hosen, dem niedrigen Kragen, mit der bunten Krawatte und dem lockigen, verrauften Haar und blickte den Vater überlegen lächelnd an. Damit das Buch nicht entweiht werde, schlug der alle Jacobs es zu und legte es unter den Ladentisch. Der ganze Nachmittag war für ihn verdorben. Sooft er an den Sohn dachte, erfüllte ihn eine unbestimmte Unruhe, das Gefühl des Unbekannten. Er kannte den Sohn nicht. Wußte nicht, was in Sams Kopf vor sich ging, was er dachte, was er wünschte, erstrebte. Alles, was der Sohn tat, war ihm fremd. Alle Wünsche des Sohnes erschienen ihm als etwas, das unter der Würde eines Menschen stand: die Vorliebe für auffallende Kleider, für Geld, für Liebesabenteuer, all das verachtete der Alte. Für ihn war in Sams Aller das Lernen das Wichtigsie gewesen, das Erlangen des Wissens, der Weisheil. Ein Mann muß ein Mann sein, nicht aber eine Masse müßige1!* Begierden. Er anerkannte selbstverständlich, daß Sam unter einem anderen Himmel geboren, das Ergebnis einer anderen Umgebung war. Trotzdem war aber Sam sein Sohn, hatte das Beispiel des Vaters vor Augen. Weshalb befolgte er es nicht? Als Sam noch ein Kind gewesen war, hatte Jacobs ihn lesen, denken gelehrt. Dann aber hatten die Freunde ihn überredet, Sam in

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