Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Juden sollen Bauen werden!
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 211 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2912821-2912891-2912895-2923380--07707-2923536- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 211 rigen Kinder den steinharten Galletas mit ihren schwachen Zähnen niclit heikommen konnten, sprangen sie von ihren Wagen und unterwiesen uns, wie man mit dieser Speise umzugehen habe. Sie zerbrachen den Zwieback an den Eisenreifen der Räder und er zerbröckelte wie Glassplitter. Die Brocken weichten sie in Wasser auf und reichten sie dann den Kindern, indem sie murmelten: „Pobres ninos! Pobres emigrantes!" Nachdem wir uns mit dem aufgeweichten Zwieback den Hunger gestillt hatten, wurden von den vier Meter hohen Wagen Leitern heruntergelassen: der Administrator Gerbl lüftete seine doppelschirmige Kappe, verneigte sich kavaliermäßig vor unseren Frauen und sagte höflich: „Nun, liebe Frauen und Kinder, steigen Sie in die Wagen und Sie werden zu Ihren Besitzungen fahren!" Die Männer sprach er in einem ganz anderen Tone an: ..Ihr zukünftigen Kolonisten werdet den Weg zu Fuß machen müssen: wir haben für euch nicht so viele Wagen auftreiben können!'4 Das Gesicht zu dem blonden Herrn gewendet, fuhr er fort: ,,Senor Tiracini, Sie werden gütigst vier Wegweiser bestehen, damit sie den Kolonisten den Weg zeigen. Adieu, Kolonisten!,; rief er uns zu. ..Der Herr Ingenieur wird schon alles, alles besorgen/* Er gab dem Pferde die Sporen und verschwand eiligst im Gestrüpp des Waldes. Die Frauen und Kinder saßen wie die Heringe enge aneinandergepreßt in den Wagen. Die Peitschen knallten lärmend, und die unförmigen Wagen entführten unsere Familien. Auch der blonde Ingenieur verließ uns und begab sich in die Kneipe, um etwas zu sich zu nehmen oder eines unter die Binde zu gießen . . . Aber er schien uns ganz vergessen zu haben, denn die Stunden vergingen nacheinander; und wir standen noch immer am Schienenstrange und vergingen fast vor Ungeduld. Vom Ingenieur Tiracini war keine Spur zu linden. Die Sonne verschwand immer mehr hinler dem Stationsgebäude. Die Nacht kam rasch heran. Plötzlich erschienen vier Reiter, als wären sie aus den Wolken gefallen, denn niemand merkte, von welcher Seite sie geritten kamen. Sie waren brünett, von hohem Wuchs und hatten tiefdunkle, aber brennende Augen; um die Hüften trugen sie breite, mit silbernen Münzen beschlagene Gürtel, von deren Seiten rings die „ehiripa" herabhing, ein Wolltuch, das den Unterkörper bis zu den Knien einhüllt. Auch ihre Sättel waren mit silbernen Verzierungen beschlagen, und ihre reinrassigen Pferde schnaubten Feuer. Sie begrüßten uns freundlich und verneigten sich elegant; und als