Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Juden sollen Bauen werden!
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 209 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 209 Im Zuge tauchte jedoch neuerlich die Frage auf, und die Litwaken staken uns wieder wie ein Knochen im Halse . . . Kaum wir noch das „eigene Land" erblickt hatten, stellte uns Satan die Lilwaken mitten in den Weg, und jeder wollte, daß die andere Partie diese Stiefkinder aufnehme. Hätten wir dazumal geahnt, welche Not unser harrte und welches Leid uns noch beschieden war, und daß nach dreißig Jahren, da der Chassid mit dem Litwak im Jenseits längst ewigen Frieden geschlossen hat, die Siedlungen noch bis heute nicht geordnet und organisiert sein würden, möglicherweise wären uns die läppischen Streitigkeiten und der schädliche Bruderhaß ferngelegen! Aber wir wollen unsere Erzählung fortsetzen. Die ganze Nacht hindurch tobten im Zuge erregte Diskussionen und hitzige Debatten und mit Tagesanbruch erreichten wir die Station C a s a r e z. In der Gebärdensprache, die wir dann schon gut beherrschten, bedeutete man uns, daß wir aussteigen müßten. Die Lokomotive tat einen Pfiff, und der Zug nahm weiter seinen Weg. Aus den hohen Gräsern, welche fast die Schienen verdeckten, brach ein matter, blasser Sonnenstrahl durch und beleuchtete die verödete Gegend. Bloß zwei Baracken — eine aus Brettern gezimmerte und eine zweite aus Blech, in denen kleine Feldkneipen eingerichtet waren — fanden wir dort vor und diese bildeten damals gemeinsam mit der windschiefen Bahnstation das Dorf Casarez. So weit der Blick reichte, gab es nur Dornen und Disteln, hohe, wildwachsende Stauden aller Arten und zwischendurch hin und wieder schmale, ausgetretene Pfade, hinterlassene Spuren der zur Tränke ziehenden Viehherden. Und die Pfade schlängelten sich durch das Waldgestrüpp und verloren sich irgendwo weit, weit in der unendlichen Pampa. IV. Der J^Iarsch ins eigene Land Am Bahnhof hat uns keine lebendige Seele empfangen, kein einziger Beamter des Kolonisationsbureaus erwartet. Der Stationschef von Casarez, ein hoher, brünetter Mann mit einem dichten Haarschopf, schlüpfte jede Weile aus dem Stationshäuscihen, lächelte schelmisch unsere schönen Frauen an und als er sah, daß keine von ihnen ihm welche Aufmerksamkeit schenkte, schüttelte er mißvergnügt den Schopf, schloß sich drinnen ein und Meß sich nicht mehr blicken. Wer von uns noch ein Stück Brot im Bündel hatte, verzehrte es. Bei den Kindern meldete sich allmählich der Hunger, und man machte