Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Juden sollen Bauen werden!
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 207 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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.JUDEN SOLLEN HAUERN WERDEN! fahl uns. einzusteigen und zum Bahnhof zu fahren. Mochten ihn die frommen Juden noch soviel gebeten haben: „Wir wollen zu Fuß gehen, es ist Sabbat! Wir wollen und dürfen nicht mit der Tramway fahren!'* Es half nichts. Er befahl strenge: ..Ihr müsset fahren, sonst verlieret ihr den Zug!" Obzwar es eine bewußte Lüge war. wie es sich später zeigte: der Zug ging erst um neun Uhr abends ab. Der Sehochet (Jedalje Weiner. der sich damals in unserer Mitte befand, begann zu En 13 hinter der Tramway einherzulaufen; er ermüdete jedoch bald. Mit Verdruß und tränenden Augen sprangen die frommen Juden einzeln auf die Tramway und fügten als Entschuldigung hinzu: „Gott £ traft nicht, wenn Zwang vorliegt. . ." Mich hat das nicht mehr überrascht, denn während der ganzen Heise bemerkte ich, daß die Vorsteher der Emigration und Kolonisation immer systematisch den Sabbat wählten, um uns zu transportieren, oder uns andere schwere Arbeiten aufzuerlegen. . . Auf dem wilden Grase des nunmehrigen Plaza once. gegenüber dem Bahnhof, setzten wir uns hin. und fröhlich, wie es glücklichen Menschen ziemt, die sich auf der Reise nach ihrem eigenen Lande befinden, stimmten die jungen Leute Eljakum Zensors*) „Pflug" an. und die Frauen besorgten spotlhillig ihre Einkäufe, Apfelsinen und Bananen, wechselten russische Kopeken in neue Pesos ein, und die Stimmung war eine sehr gehobene. Die Sonne schien an jenem Tage so herrlich, das Wetter war wimdermild und lieblich; alles grünte und blühte, daß es eine Augenweide war. ..Wie gefällt euch dieser argentinische Winter?" wandte sich eine junge, schöne Frau an die Umstehenden. ,,Wundervoll, wundervoll! Ewig lebe der Baron, daß er uns hieher gebracht hat!" Hurra! Es lebe Baron de Hirsch!" donnerte es aus den Kehlen der Dorfjuden. Um neun Uhr abends ging der Zug ah. III. Die Bahnreise — Der Streit um die „Litwaken" Keiner schlief in jener Nacht. Jeder brannte vor Ungeduld, das eigene Land zu sehen. Wiederum begann man Pläne zu entwerfen, Gruppen zusammenzustellen und alle gemeinsamen Angelegenheiten zu beraten. Zwar war bereits auf dem Schiffe alles fix und fertig, es wurden sogar Vertrauensmänner gewählt, die Leute aus Podolien auf *j Bekannter jiddischer Volksdichter.