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Menorah · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 206

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Article
Juden sollen Bauen werden!
Date
1929-03-01
Page
Seite 206 (sequence 8)
Language
German
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206 MENO K A II „Erzählen Sie. erzählen Sie!i: l>attjn wir einstimmig und er fuhr fort: .,Im Jahre 1887. als die Juden der Dörfer und kleinen Städte unter der Last von Ignatjews grausamen Erlässen zu ersticken drohten, entsandten sie drei Delegierte nach Paris und London, die bei den Philanthropen erwirken sollten, daß man ihnen die Auswanderung nach Amerika, Kanada oder Palästina ermögliche. Zwei Mitglieder dieser Delegation, Leiser Nissensohn und Moses Händler aus Kamenetz-Podolsk, kehrten, nachdem sie ein ganzes langes Jahr bei den jüdischen Philanthropen antichambriert hatten, mit leeren Händen heim. Der dritte, Kaufmann, hatte das Unglück, einen Agenten kennenzulernen, der sich als Bevollmächtigter der argentinischen Regierung ausgab und ihm das Blaue vom Himmel versprach: Boden, Vieh, landwirtschaftliche Geräte und Geldsubvenlionen für die erste Zeil. Auf diese Zusage hin sammelte Kaufmann etwa hundert Familien, und sie reisier. mit ihm nach Argentinien, wo sie das Unglück ereilte. Alle Zusagen des Agenten erwiesen sich als leer, falsch und erlogen. Zwischen den Bahnstationen Palasios und Manigates wurden die Familien abgesetzt, ohne Speise und Trank und ohne Obdach. Mehr als dreihundert Kinder starben im Laufe eines Monats vor Hunger und Kälte. Viele jener Familien machten sich zu Fuß auf den Weg und wanderten nach Buenos Aires. Nun verlautet, daß Dr. Löwenthal sie unter den Schutz der jetzigen Kolonisation nehmen werde!" schloß er. Wir seufzten, wischten einige Tränen aus den Augen und kehrten in das Immigrantenhotel zurück. Am Nachmittag desselben Sabbats wurden wir zum Bahnhof gebracht, um nach den eigenen Ländereien zu reisen. Und von jenem Augenblick an begann die lange Kette der Not und der Sorge, dreißig lange Jahre: fast ein Dritteljahrhundert der Knechtschaft, Finsternis und Demütigung. Sehr wenig glückliche Tage sahen wir während der ganzen Zeit. Wir führten einen schweren, verzweifelten und mühevollen Kampf, und nur eine geringe Zahl jener ersten Pioniere kam ..zu Ruhe und Besitz'", wie Dr. Löwenthal es seinerzeit versprochen hatte; es sei denn jene Opfer, die durch Gauchohände fielen, oder jene, die auf natürlichem Wege die ewige Ruhe in der eigenen Erde gefunden .. . Aber wir wollen der Reihe nach erzählen, wie sich alles zugetragen hatte. Die Pferdetramway, von ein Paar Schindmähren gezogen, kam bis an das Immigrantenhotel, und der gelbe Beamte des Bureaus be-

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