Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Juden sollen Bauen werden!
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 205 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 205 umherlagen. So sah die damalige Schul aus. Heute besitzen die ausländischen Juden einen schönen Tempel, die Kongregation, wo es eine Orgel, ein herrliches Orchester und einen guten Kantor gibt: sie ist die einzige in Buenos Aires, die über ein eigenes Gebäude verfügt. Es wurden Karten verteilt mit den Aufschriften: ,,Kohen", ,,Levi", „Schelischi" . . . Der Schammes war Vorbeter. Außer uns, dem Rabbiner, dem Schammes und einigen Greisen war niemand anwesend. Bald nach dem Beten verließ der Rabbiner die Schul, und der Schames erzählte uns allerhand traurige Geschichten: ,,Um die jüdische Gemeinde in Buenos Aires ist es schlecht bestellt," sagte er. „das ganze Jahr hindurch ist nur selten ein Minjan anzutreten. Nur am Neujahrstag und Jom-Kippur versammeln sich die Leute, die anständigen und unanständigen, und beten gemeinsam. Ich selbst gehöre auch zu denjenigen, die mit Kaufmann vor drei Jahr en h ieh erk a m en.'" Bei diesen Worten packte mich ein Schauder. „Sie sind von Kaufmanns Immigranten?'' fragte ich überrascht. Kennen Sie vielleicht die Familie Wein er, die auch mit Kaufmann ausgewandert ist? Wie geht es ihnen und wo befinden sie sich gegenwärtig?" ..Sind Sie vielleicht mit ihnen befreundet oder verwandt?" 1 ragte er. „Ja, Weiner ist der Onkel meiner Frau. Achtzehn Jahre lang lebte er mit seiner Familie in einem Dorfe, aber dann erfolgte im Jahre 1882 die Verordnung lgnatjews, und er wurde aus dem Dorfe ausgewiesen, weshalb er sich den hundert Familien, die zu Kaufmanns Partie gehörten, mit anschloß." ..Ihr Onkel Hirsch Weiner und sein Sohn Abraham Elijahu können noch von Glück sprechen." erzählte er. ..sie haben in Manigates einen Maurer gefunden, der ihnen einen Peso täglich zahlt: sie schleppen Lehm und Ziegel und verdienen sich damit ihr Auskommen. Ihre Tante und die Schwiogerlochter waschen Wüsche und verdienen auch etwa achtzig Gent täglich: hätte sich das Unglück mit den kleinen Kindern nicht ereignet, so ginge es dort noch leidlich!" schloß er mit einem tiefen Seufzer. Wir baten ihn um Einzelheiten betreffs Kaufmanns Kolonisa tionspläne, indem wir hinzufügten, daß es für uns von besonderem Interesse wäre, da wir uns ja auch als Kolonisten niederlassen wollten. „Euch kann das nicht passieren/4 versicherte er, ..Kaufmann ist ganz einfach Schwindlern aufgesessen. Nicht umsonst wollten ihn die Immigranten erschlagen!"