Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Juden sollen Bauen werden!
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 204 (sequence 6)
- Language
- German
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204 MENORAH aber auch die Mitglieder der Komitees tragen keine Schuld. Ihr seid in Massen angeströmt, und die dortigen Regierungen, die galizische sowohl als auch die preußische, forderten, daß man euch von dort abziehe, sonst", sagte er in erbittertem Tone, schwer Atem holend, sonst hätten sie euch, wie unerwünschte Elemente, des Landes verwiesen!'4 Mit streng forschendem Blick alle Versammelten musternd, setzte er milde fort: „Daß es unmöglich ist, euch weiter hier in der Stadt zu belassen, bis die Häuser gebaut und die Geräte angeschafft, werden, das seilet ihr doch ein, Brüder. Ich darf euch hier nicht länger behalten. Ich habe vierzig junge Leute abgesandt, damit sie für euch auf dem Lande irgendeine Behausung schallen, und in einigen Tagen werden wir euch alle dorthin bringen. Ich bitte euch bloß, geduldig zu sein! Nützet die Geduld, die unserer Nation eigen ist: duldet, leidet, ertraget bloß die ersten unvermeidlichen Schwierigkeiten, die die Kolonisation erfordert, und ihr werdet endlich zur ersehnten Ruhe und zu Besitz kommen. Und glaubet mir, es wird euch Wohlergehen, Brüder! Ein großes, erhabenes Ideal hat den Baron beseelt; sein Herz schlägt in Liebe zu euch. Seid tapfer und kehret nicht ab vom Wege!" „Schicken Sie uns, Doktor! Wir fahren! Wir ziehen! Hurra! Es lebe der Baron!" donnerte es von allen Seiten. Dr. Löwenthal schied von uns in zufriedener Stimmung. Wir begannen seine Worte zu wiederholen; einige machten Kommentare, indes wurden Anstalten für die Reise getroifen, die uns an den eigenen Herd, in das eigene Land bringen sollte, um in ein neues Leben zu treten. Und so ging es bis zum Sabbat fort in langen fröhlichen Kommentaren und zur allgemeinen Befriedigung. Sabbat in aller Frühe traf ein roter, etwa 35jähriger Mann ein. in einem hohen Zylinder, wie ihn ähnlich die Kutscher tragen, neben ihm schritt respektvoll ein schwarzer, junger Mann einher, und beide wurden von den Hotelangestellten höflich begrüßt. Er stellte sich als Rabbiner der westeuropäischen Juden — der französichen, deutschen, englischen und belgischen — vor und lud uns durch einen Dolmetsch in sein Bethaus ein, wo der schwarze junge Mann als Schammes fungierte, der gut Jiddisch sprach, während der Rabbiner, der nur Englisch und Spanisch beherrschte, sich mit uns nicht verständigen konnte. Es folgten ihnen zehn Leute. In irgendeinem schmutzigen, schmalen Gäßchen, in einer engen, finsteren Kammer stand eine Bundeslade samt Betstuhl und einigen Bänken, auf denen ein Dutzend Gebetbücher