Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- 'Die Juden in der Kunst'
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 191 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE JUDEN IN DER KUNST 191 vinziell" eingeengt gewesen. Inmitten dieser leichtfertigen Andeutung der Verhältnisse von anno dazumal, fällt nun wieder so ein landläufiges Schlagwort. Es heißt: „Sachlichkeit." Für die Kunst Liebermanns ein vortreffliches Stichwort. Denn es verpflichtet den, der sich mit ihr befaßt, bei der Sache zu bleiben. Es war zu zeigen, w a s in der Natur die Aufmerksamkeit des Künstlers fesselt, wie er es sieht und wie er es farbig darstellt. Seine Palette, sein Verfahren, seine Form. Und diese Form war von jener des typischen Impressionismus abzuscheiden. Erst dann wäre aus dem widerspruchsvollen Sammelwort die persönliche Tat des Meisters, vielleicht gar ihre jüdische Art hervorgetreten. So aber wird auch hier der Leser ohne bildhafte Vorstellung, versehen nur mit etwas Dunst, entlassen. Nun könnte man erwarten, daß sich nicht alle, aber die wesentlichsten Mängel der Darstellung verlieren, sobald sie das jüdische Neuland, die Kunst der Gegenwart, erreicht. Denn darauf war ja von Anfang an das Buch angelegt, und diesem Abschnitt wird dann mit gutem Recht der breiteste Raum gewährt. Auch ist hier eine Art der Betrachtung am Platze, für die der Autor allerhand günstige Voraussetzungen mitzubringen scheint. Die objektive Geschichtschreibung — das hat sein Kurs durch die jüdischen Vergangenheiten gezeigt — war nicht seine Sache. Um so Besseres durfte man von seiner Einführung in das heutige Schaffen erwarten, das auch von Seiten des Betrachters eine leidenschaftliche Teilnahme oder geradezu Parteinahme nicht nur verträgt, sondern fordert. Denn hier, im Bereich des Lebendigen, gilt es mitzukämpfen. Schwarz tut es mit aller Wärme. Hier wird er zum bewegten Anwalt — freilich nur für jene Kunst, die jüdisches Bekenntnis ist. Für die andere, die sich unbewußt ergibt, die vielleicht nicht weniger jüdisch, vielleicht nicht minder bedeutsam, jedenfalls aber schwieriger zu erfassen ist, hat er nur ein geringes Interesse und fast kein Verständnis. Wie belanglos wird unter solchen Umständen der eilige Vermerk über den Anteil der Juden an der modernen Architektur, worin wir und jedermann, der die wahren gestaltenden Kräfte der Zeit auch nur halbwegs kennt, eine überaus wichtige, wunderbare Tat des jüdischen Geistes sehen — eine erste jüdische Tat von grundsätzlicher, sozialer und kunsthistorischer Bedeutung auf einem Feld, auf dem wir bisher nur Nutznießer fremder Entwicklungen gewesen sind. Was weiß Schwarz — um nur zwei hervorragende Beispiele zu erwähnen —- von jenem de Klerk (den er notabene überhaupt nicht nennt), dem Begründer und Wegweiser der neuholländischen Baukunst, was von