Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 192

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Article
'Die Juden in der Kunst'
Date
1929-03-01
Page
Seite 192 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2912821-2912891-2912895-2923375--07680-2923517
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

192 MENORAH dem in weitesten Kreisen vorbildlichen Sinn der Architektur eines Josef Frank 1 Das und derlei gilt dem Autor nichts, das kennt er nicht und sofern er es kennt, versteht er nicht. Denn es trägt, zwar des jüdischen Wesens voll, nicht auch das jüdische Merkmal an der Stirn. Aber auch wo diese jüdische Marke gegeben ist, geht Schwarz — entgegen seinem Bekenntnis, also offenbar aus Mangel an näherer Kenntnis — belangreichen Tatbeständen, Ereigniswerten aus dem Wege. Wie konnte er, der Zionist, die künstlerischen Vorgänge im Heiligen Land derart dürftig und teilnahmslos behandeln! Ich bin der letzte, der diese Leistungen überschätzen würde. Aber wie sie auch sein mögen, sie sind in unserer Heimat geschehen, und da ist jeder Anfang besonderer Aufmerksamkeit wert. Oder meint nicht auch Schwarz, daß es für seine Leser interessanter, jedenfalls wichtiger gewesen wäre, etwas über die städtebaulichen Unternehmungen Kauffrnanns für Jerusalem und Tel Aviv zu erfahren, selbst wenn darum das Kapitel über die nicht gar erhebliche „Plastik der Juden" hätte gekürzt werden müssen? So bleibt als relativ bester Teil des Buches die Vorführung der freien Künste im gegenwärtigen mehr westals östlichen Europa. Was hier an jüdischen Werken sich findet — rein im Antlitz, rein im Blut -— das hat die ganze Liebe des Verfassers. Doch dieser Liebe fehlt die Kraft. Es bleibt bei dem nationalen Gefühl, das die nationale Kunst umschwärmt, ohne ihr wesentlich beizukommen. Es fehlt sowohl die Anschauung wie auch die Erkenntnis der jeweils entscheidenden Eigenschaften des Werkes. Es fehlt meist am geeigneten Wort und am eindeutigen Urteil. Statt beschreibender und kennzeichnender Ausdrücke werden gern solche der Sympathie und noch häufiger Ausführungen ganz allgemeiner Art gewählt; wenn am Beginn eine Leistung „hervorragend" genannt wurde, ist es nicht sicher, daß sie etwas später ,,noch weniger befriedigend" genannt wird. Am wichtigsten aber ist, daß der Verfasser jeweils nicht die Form erfaßt, sondern — kaum daß er sie berührt hat — auf ihren unbestimmten inneren Gehalt übergeht. So erhalten wir keine klaren Vorstellungen, sondern nur schwankende Begriffe und Empfindungen. Nein, beim besten Willen: nein. Das ist kein gutes Buch. Der Autor, der sich seinerzeit — wenn wir nicht irren — durch eine saubere, sorgfältige Studie über Augustin Hirschvogel eingeführt hat, mag für derlei Einzelstudien der rechte Mann sein. Aufgaben von solchem Wurf, von solcher Bedeutung wie eine Geschichte der Juden in der Kunst liegen ihm nicht. Auch wenn von der Einzelforschung alle

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.