Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- 'Die Juden in der Kunst'
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 190 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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190 MENORAH Kunstforscher nicht darauf an, daß er die Literatur, sondern daß er die Kunst kenne, die er beschreibt. Da aber fragen wir: kennt Schwarz das Museum Mesdag im Haag, jene Sammlung, die wie keine zweite mitten in die Werkstatt der Schule einführt, der Israels als Vorderster angehört? Und falls er sie kennt — hat er den sinnfälligen Nachweis von der fundamentalen Einwirkung jener Barbizoner auf die Haager übersehen, die sie an allen Ecken und Enden unwiderlegbar bietet? Oder hat er trotz allem seine guten — freilich verschwiegenen — Gründe, um Israels einfach in die Bewegung des französischen Impressionismus einzustellen? In Wahrheit darf man dem Autor bei solchen Anlässen nicht ernstlich auf den Zahn fühlen. Es sind Entgleisungen, Früchte eines saloppen summarischen Verfahrens, das auch vor einem Israels nicht haltmacht. Die ganze große Kunst des Meisters, der Gegenstand einer Ehrfurcht, die den jüdischen Forscher zu besonderer Bemühung verpflichtet, wird hier mit ein paar oft gehörten Redensarten abgetan. Den Verschwommenheiten allgemeiner Art folgt das verfehlte Beispiel auf dem Fuß. Der immer wieder bemühte, in unzähligen Klischees bereitliegende ,,Sohn des alten Volkes" muß für den Charakter einer Kunst zeugen, die er vielleicht am wenigsten, die er jedenfalls nur nach ihren — wenn man das sagen darf — gröberen Eigenschaften zu kennzeichnen geeignet ist. Wenn es schon ein Bild jüdischen Stoffes sein mußte, warum nicht das malerische Wunder der Amsterdamer „Judenhochzeit"? Und wenn es das jüdische Wesen dieser Kunst zu zeigen galt, warum nicht eine jener fein getönten, sanft beseelten Fischerstuben mit der stillen Familie in der Dämmerung? Wie erstaunlich leer und lärmend dann, was über Max Liebermann ausgesagt wird! In der Kunst Liebermanns wird das Sinnliche Ereignis. Was weiß Schwarz davon, vom Kern dieser Malerei, vorzubringen? Das Schlagwort vom „Impressionismus'4 und die sehr ungewisse Umschreibung vom „Abglanz der Reinheit" dieser Welt, die in dieser Kunst in Erscheinung tritt. Nichts weiter. Denn das übrige ist nur Emphase, die das Sichtbare, also die eigentliche Gabe des Meisters, umkreist, ohne sie zu berühren. Schwarz liebt es, um einen Künstler gehörig ins Licht zu setzen, seine schaffende Umwelt zu deklassieren. Das tut er auch hier. Um die Tat Max Liebermanns, die derlei Dienste doch wahrhaftig nicht nötig hat, herauszustreichen, behauptet Schwarz schlankweg, die deutsche Kunst sei — in der Zeit eines Menzel und Marees — ,>pro-