Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- 'Die Juden in der Kunst'
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 188 (sequence 8)
- Language
- German
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188 MENORAH Constable, von jeder schönen Leidensehaft bewegt in der Schule von Barbizon, dieses Fundament des Jahrhunderts mit seiner Wiederkunft der schlichten altholländischen Natürlichkeit? Warum verschweigt Schwarz diesen epochalen Strang der Zeitkunst, trotzdem er doch befürchten muß, daß ihm jeder auch nur halbwegs gebildete Laie die eklatante Entstellung eines so allgemein bekannten Tatbestandes ohne Mühe nachweisen und ankreiden kann? Nun, der Grund ist nicht schwer zu erkennen. Ein paar Seiten weiter resümiert Schwarz: ganz Europa war in der ersten Hälfte des Jahrhunderts auf spekulativem Wege... befangen", — erst der Impressionismus bringt den neuen natürlichen Aufschwung. Das heißt mit anderen Worten: die große, herrliche Naturkunst der ersten Hälfte des Jahrhunderts kam dem Autor nicht gelegen; denn sie ist nicht ,,spekulativ" und sie nimmt die Grundlagen des Impressionismus zum guten Teil vorweg; dieser aber sollte bei seinem ersten Auftreten in ganzer, ungeteilter Glorie dastehen; deshalb mußte jene einfach unter den Tisch fallen. Das ist ein übles Verfahren. Es zeigt so wenig Achtung vor der Sache wie vor dem Leser. Und wir sind gewiß, daß Schwarz nicht den Mut gehabt hätte, einen derart fahrlässigen und gewaltsamen Zuschnitt der kunstgeschichtlichen Entwicklung einer größeren, nichtjüdischen Öffentlichkeit vorzusetzen. Dem Verfasser fehlt vielleicht nicht die Kenntnis, aber ganz gewiß die tiefere Einsicht in die Vorgänge der allgemeinen Kunst. Was er aus solchen Zusammenhängen ableitet, ist unrichtig oder nur oberflächlich gedeutet. Mit den üblichen Hinweisen auf Goethe, Schlegel u. a. m. ist für die geistige Erklärung Oppenheims nicht viel, mit den Hinweisen auf Jacques Louis David und die Nazarener, auf Koch und Thorwaldsen ist für die Erklärung seiner Malerei fast nichts gesagt. Seine Kunst ließ sich — ohne solche Umschweife — schlichter, schärfer und wesentlicher begründen. Der romantische Realismus seiner Bildnisse — mild in der Romantik, scheu im Realismus — ist typisch deutsch, ist ein Teil jener behutsamen Porträtistenart, die anläßlich der Jahrhundertausstellung deutscher Malerei in München besonders gut zu überblicken war. Mit dieser Schule galt es, sein Werk zu vergleichen, damit zu verbinden, davon abzuscheiden, um die persönliche oder gar jüdische Note des Künstlers zu bestimmen. Das war freilich nicht leicht. Denn da sich die Eigentümlichkeit schon des Bildnismalers Oppenheim in bescheidenen Grenzen hielt, brauchte es besondere Sorgfalt und Empfindung, um sie festzustellen. Schwarz hat sich die Mühe erspart. Ebenso die andere, den Genremaler Oppenheim aus