Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- 'Die Juden in der Kunst'
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 186 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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186 MENORAH richtiger gewesen wäre — als eine eigene Epoche des Überganges abscheiden. Wir würden uns bei diesen Mängeln der Disposition nicht so lange aufhalten, wären sie nicht von besonderer Bedeutung fürs Ganze. Sie zeigen die Unsicherheit des Standpunktes, den der Autor bezogen hat, die Unklarheit im Grundsätzlichen. Aber auch sonst läßt die Zeitbestimmung fast alles zu wünschen übrig. Im Kapitel der Kultgeräte wird das Verschiedenste, die Gaben von mehreren Jahrhunderten, unentwirrbar durcheinandergebracht. Bei den höchst gleichgültigen Miniaturmalern werden wir merkwürdigerweise mit allen möglichen Daten versorgt, aber bei Israels und Liebermann fehlt jede Jahreszahl, auch die der Geburt. Dagegen erfahren wir bei Ernst Neuschul nicht nur daß er 1897, sondern auch daß er in Aussig geboren ist! Das ist — gelinde gesagt — ein haltloses Kunterbunt, leichtfertig abgeschöpft aus einem fragwürdigen Apparat von ein paar Schriften, die gerade zur Hand waren, zu dürftig für ein Feuilleton, für ein Handbuch undiskutabel. Ähnlich beliebig geht es bei der Auswahl der Künstler zu. Das Vorwort hatte versprochen, nur diejenigen von den zahllosen aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu berücksichtigen, die „für die Entwicklung des Juden von Bedeutung sind". Das wäre sehr gut gewesen. Aber es ist anders gekommen. Denn tatsächlich hat der Autor nur eine Art lokaler Auslese gegeben. Was weiter vom Schuß liegt, ist ihm kaum bekannt. Ein Künstler vom Range Modiglianis wird mit folgendem Satz abgefertigt: ,,Amadeo Modigliani aus Livorno rang vergebens nach Anerkennung und wurde, von Hunger und Elend zermürbt, 1920 dahingerafft." Was wird damit von der Kunst dieses Mannes ausgesagt? Warum sind dann aus dem Wiener Kreise so jüdische und bedeutende Erscheinungen wie Georg Merkel, Georg Ehrlich und Josef Floch nicht einmal erwähnt? Und warum dagegen Maxa Nordau? Schwarz möchte schon im Vorwort den allfälligen Vorwurf entkräften, der ihm aus dem Fehlen vieler Namen erwachsen könnte. Dieser Vorwurf muß schärfer, als er befürchtet hat, erhoben werden. Nicht wegen des Fehlens vieler, sondern gewisser Namen. Wir machen da die Sache der übergangenen wesenswichtigen Künstler zur unsern, nicht ihrethalben, sondern im reinen Interesse der jüdischen Kunst. Es kann nicht ohne Widerspruch hingenommen werden, daß ein Schriftsteller — wenn auch beseelt vom besten Willen — aus Mangel an Kenntnis oder Einsicht das Bild der bewegenden Kräfte, die mit edlem Eifer am Aufbau unserer Kunst tätig sind, derart entstellt. Geschähe das nicht in einem