Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- 'Die Juden in der Kunst'
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 185 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE JUDEN IN DER KUNST 185 Architektur kann erst in der neuesten Zeit mit Namen aufwarten, die dann allerdings sogleich in den Vordergrund treten, da die moderne Baukunst einen neuen Sinn bekommen hat, der in der starken Betonung des Praktischen dem Juden in seinem Element der Verwirklichung seiner geistigen Ideen neue Aufgaben stellt." Ein andermal: ,,In Überdruß des heroischen und historischen Monumentalbiides war der Ruf nach einer Volksmalerei laut geworden," Oder (bei Hirszenberg): „Die in der kurzen Zeit seines palästinensischen Aufenthaltes entstandenen Skizzen geben uns nur die verlorene Hoffnung, daß Hirszenberg vielleicht der jüdische Maler noch hätte werden können, der uns das gegeben hätte, was alle die andern vergeblich gesucht haben." Oder (bei Jozef Israels): „Der Meister.. . war einer der Größten seiner Zeit, dem das bescheiden begrenzte Leben höchster Ausdruck der Kunst bedeutete." Endlich: ,,Und wieder zeichnet das Thermometer einen anderen Grad künstlerischen Temperaments, wenn wir das Schaffen Lesser Urys betrachten." Ja, um Himmelswillen, was soll das alles heißen? Und was sollen die schlichten Leser, an die sich doch das Buch richtet, mit diesen unverdauten und unverdaulichen Auslassungen anfangen? Auch die Einteilung des Stoffes läßt die nähere Sorgfalt vermissen. In den Anfängen späterer Kapitel tauchen mehrmals Bestandteile des Altertums auf, die besser in dem ohnehin sehr mageren ersten Abschnitt verarbeitet worden wären. Das jüdische Mittelalter dauert für Schwarz bis etwa zum Beginn der französischen Revolution; das wird begreiflich, wenn man — mit Schwarz — bedenkt, daß bei den Juden erst die Emanzipation in ähnlicher Weise gewirkt habe wie Jahrhunderte vorher der Humanismus auf die übrigen Kulturvölker Europas; daß dabei der Begriff der geistigen Freiheit nicht rein erfaßt, nicht jüdisch verstanden, sondern Ungleiches vermischt wird, soll dem Autor so wenig nachgerechnet werden wie die Tatsache, daß in gewissen, sehr wichtigen Gegenden, zum Beispiel in Holland, die Juden schon mitten in seinem „Mittelalter" auch sozial frei gewesen sind; uns scheint hier wesentlicher, da wir es ja mit der Kunst zu tun haben, daß sein Begriff kunstgeschichtlich nicht haltbar ist: denn die Juden haben sich ja seit der Renaissance aller neueren Stile bedient; meint aber Schwarz, daß eben diese Lehnkunst ein Merkmai des andauernden jüdischen Mittelalters war, dann durfte er seine „Neuzeit" nicht mit den Miniaturmalern seit 1605 beginnen, sondern mußte alles, was bis zur Ankunft der neuen „Jüdischen Kunst" europäische Haltung zeigt, entweder zu seinem Mittelalter schlagen oder — was viel