Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- 'Die Juden in der Kunst'
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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184 MENORAH unerläßliche Voraussetzungen. Auch das bekennt sein Vorwort zwischen den Zeilen. Es spricht von Dilettantismen, Irrtümern und Lücken im gegenwärtigen Zustand der jüdischen Kunstwissenschaft. Wie hat Schwarz diese Unzulänglichkeiten in dem ungeheuren, für eine Person kaum überblickbaren Stoff ausgemerzt. Durch eigene Forschung, nach eigenem Urteil? Und warum hat er dem interessierten Leser nicht wenigstens durch die Anzeige der einschlägigen Literatur die Möglichkeit gegeben, näher nachzusehen, nachzuprüfen und nachzugehen? Schwarz meint zwar, ein solches Verzeichnis wäre leicht als Vortäuschung von Wissenschafüichkeit und Vollständigkeit mißdeutet worden. Diese Furcht war unbegründet. Man hätte ihm dafür nur danken können, der Charakter des Buches als kompilatorischer Versuch wäre klarer hervorgetreten, der weitere Weg gangbarer worden. Es scheint, daß die Dinge anders liegen. Nämlich so: die Literatur über die Kunst der Juden ist zwar äußerst ungleich und lückenhaft, aber der Verfasser kennt auch sie nicht gründlich genug. Er hat — was noch im Beispiel gezeigt werden soll — keine verläßliche Basis. Trotzdem hat er ein Werk unternommen, das nur auf Grund genauester Kenntnis der Sachverhalte geschrieben werden durfte. Denn derlei volkstümliche Zusammenfassungen verlangen die allergrößte Gewissenhaftigkeit. Auch dem Verlage, der die Initiative zu diesem Buch ergriffen hat, der jüdischen Buchgemeinde des Heinebundes" in Berlin, muß die Situation irgendwie bekannt gewesen sein. Trotzdem hat er das Buch nicht nur veranlaßt, sondern auch dem Autor eine Frist von nur „wenigen Wochen" für die Abfassung zur Verfügung gestellt! Wir müssen gestehen: das übersteigt alle unsere Vorstellungen von Betriebsamkeit. Möglich, daß wir einen sehr rückständigen Begriff von „Tempo" haben. Aber angesichts der Veranstaltung eines Buches, das unter solchen Umständen, also fast aus dem Nichts, in wenigen Wochen eine Übersicht über zwei oder mehr Jahrtausende jüdischer Kunsttätigkeit — notabene zum Gebrauch des Volkes — unternimmt, das in dieser beispiellosen Frist geschrieben, gedruckt, gebunden, versendet und verkauft wird, müssen wir unsere Rückständigkeit fast für eine Tugend halten. Denn mit diesem Tempo bedient man vielleicht die Konjunktur, aber man dient damit ganz gewiß nicht unserer Kultur. Die Eilfertigkeit erklärt vieles, aber sie entschuldigt nichts. In der Eile ist schon die Sprache, die ohnehin wenig Schärfe hat, stellenweise salopp und unverständlich worden. Einmal heißt es: „Vollends die