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Menorah · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 174

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Article
Das Heldenlied von der Nadel
Date
1929-03-01
Page
Seite 174 (sequence 14)
Language
German
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174 MENORAH Mittler zwischen Fabrik und Heimarbeiter, in den Kampf, indem sie sich den Arbeitern anschlössen. Durch ein „Vereinigtes Delegierten- Komitee" führte die Tripelallianz der Zuschneider, Arbeiter und Lieferanten den Kampf um die Anerkennung der Gewerkschaft. Die Schlacht war eröffnet. Der erste Schritt der Zuschneider war der Versuch, ein gerichtliches Urteil gegen die Fabrikanten Vereinigung zu erreichen, weil sie ,,sich verschworen hatte, die Arbeiter durch Einschüchterung und Aussperrung den frei gewählten Gewerkschaften und Vereinen fernzuhalten". Der Versuch mißlang, aber die Wirkung in der Öffentlichkeit war eine ungeheure und das Urteil des Gerichtes wurde als ein Beweis gebrandmarkt, daß „das Gesetz für arm und reich nicht dasselbe sei", und daß „der Kapitalist im Recht sei, wenn er dasselbe tue, was beim Arbeiter für das Verbrechen der Verschwörung gelte". Die Unternehmer gingen nun einen Schritt weiter, nachdem sie bei Gericht diesen Erfolg errungen hatten. Sie teilten ihren sämtlichen Arbeitern mit, daß sie entlassen seien und nicht wieder angestellt werden würden, „bevor sie nicht aus sämtlichen Arbeiterorganisationen ausgetreten seien". Die Antwort der Arbeiter war eine Ausdehnung des Streiks auf eine Werkstätte nach der anderen. Es folgten Wochen der Leiden und der Kämpfe. Juden in anderen Industrien und auch nicht jüdische Arbeiter trugen zum Streikfonds bei. Die Zeitungen beschrieben das Elend, das dieser Kampf um die Existenz mit sich brachte. Die ganze Judenheit stand hinter den arbeitenden Brüdern und half nach Kräften. So gab zum Beispiel eine jüdische Gemeinde um fünf Cent ein Mittagessen an jeden Mantelschneider, der die Mitgliedskarte einer Gewerkschaft vorwies. So gut gemeint dies alles war, es war nicht genug, um die Arbeiter vor bitterer Not zu schützen. Viele Wochen lang gab es in der Streikkasse nur 350 Dollar, und viertausend sollten sich darein teilen. Aber sie blieben fest und zeigten hier zum erstenmal die zähe Entschlossenheit, die später für die Nadelarbeiter charakteristisch wurde. Jeden Freitag, bevor der Schabbes kam, hielten sie Massenversammlungen ab, in denen erklärt wurde, „die Leiden der vergangenen Woche gehörten der Vergangenheit an, sie könnten nie wieder gutgemacht werden — der Streik müsse also von neuem anfangen". Umzüge, Demonstrationen, Massenversammlungen — sechs Wochen lang! Bis endlich die langerwartete Botschaft kam. Die Fabrikantenvereinigung sei zu Verhandlungen mit dem Vereinigten Delegiertenkomitee bereit. In ungezügelter Freude stürzten sich die

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