Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Das Heldenlied von der Nadel
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 175 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Arbeiter in der Saal der Cooper-Gewerkschaft. Sie schrien, weinten und lachten und klatschten rasend Beifall, als einer der Redner ihren Gefühlen in folgenden gewichtigen Worten Ausdruck gab: „Der Tag ist gekommen, wo der Unternehmer es nicht länger wagt, den armen, unwissenden jüdischen Arbeiter in den Staub zu treten. Der Jude ist nicht mehr das geduldige Vieh, das sich treiben läßt. Tausende sind hier versammelt, Tausende stehen draußen dichtgedrängt. Tausende sind vorigen Dienstag marschiert, Tausende sind bereit, euch auch weiterhin zu unterstützen. Früher waren sie hilflose Juden, jetzt sind sie selbstbewußte Arbeiter, die ihre Lebensbedingungen verbessern wollen und nicht ruhen werden, bis es ihnen gelungen ist." Das endgültige Übereinkommen aber war eine bittere Enttäuschung für die Streikenden. Wohl hatten sich die Unternehmer verpflichtet, die Gewerkschaften anzuerkennen und ein Schiedsgericht für Differenzen aus dem Arbeitsverhältnis zu akzeptieren. Über zwei wichtige Punkte aber, die den Streikenden am Herzen lagen, schwieg der Vertrag — es handelte sich um den Stücklohn und um die Entlassung der Streikbrecher. Nur die Zuschneider waren soweit mit dem Dokument zufrieden, daß sie ihre Unterschrift darunter setzten. Den Mantelschneidern war es nicht geheuer. Es war englisch ausgefertigt, und sie konnten es nicht lesen, daher nahmen Mitglieder des Streikkomitees eine Kopie an sich und gingen damit zu Abraham Cahan, um es sich