Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Das Heldenlied von der Nadel
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 173 (sequence 13)
- Language
- German
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DAS HELDENLIED VON DER NADEL 173 mit den Sozialisten sympathisieren? Wenn es ein Unrecht ist, daß unsere Gewerkschaften sozialistisch geschult sind, dann möge man es denjenigen vorwerfen, die uns grausam im Stich ließen, während die Sozialisten alles für uns taten, was nur in ihrer Macht stand." VI. Im Herbst 1888 wurde neuerdings der Versuch gemacht, die Arbeiter der Bekleidungsindustrie zu organisieren. Unter dem Einfluß der Vereinigten Jüdischen Gewerkschaften entstand in New York die Vereinigung der Mantelschneider (Gloakmakers' Society). In Chikago organisierte Abraham Bisno die Erziehungsgemeinschaft der Jüdischen Arbeiter (Jewish Workers' Educational Society), die später zu einer Gewerkschaft umgewandelt wurde. In Philadelphia war der neuen Jüdischen Arbeitergenossenschaft (Jewish Federation of Labour) eine Mantelschneidergewerkschaft angeschlossen. In allen Zentren der Bekleidungsindustrie entstanden ähnliche Organisationen. Als im Jahre 1890 eine gute Zeit für die Industrie einsetzte, waren diese Vereine natürlich der Mittelpunkt für die Streikhilfe. Es wurden glänzende Siege erfochten. Aber sie waren nicht von dauernder Wirkung. Im Mai 1890 entließen zwei große Mantelfabriken in New York plötzlich eine Reihe im Betrieb selbst angestellter Arbeiter, die als sehr aktive Mitglieder ihrer Gewerkschaft galten. Damit war ein Kampf entfesselt, der neun Wochen dauerte und die gesamte jüdische Bevölkerung bewegte. Die Arbeiter der einen Fabrik gingen sofort in Sympathiestreik. Darauf sperrte die Firma sämtliche Arbeiter aus. Um den Unternehmer zu unterstützen, schlössen sich mehrere andere Firmen zusammen, belebten die sanft entschlafene „Vereinigung der Mantelfabrikanten4' und sperrten alle ihre Arbeiter aus. Innerhalb zwei Wochen waren so zweitausend Arbeiter auf die Straße gesetzt. Es schien sicher, daß sie untergekriegt werden und bedingungslos zur Arbeit zurückkehren würden. Da geschah etwas bis dahin Unerhörtes. Die Zuschneider traten in Streik. Die Zuschneider waren schon damals die Aristokraten der Bekleidungsindustrie. Ihre Löhne waren höher, ihr Standard of Life ein besserer als der der gewöhnlichen Arbeiter und Ausfertiger und Bügler. Am 9. Juli aber trat eine Gruppe der besten Zuschneider aus den Werkstätten der damals größten Damenkonfektionsfabrik des Landes (Meyer Jonassen) mit den ausgesperrten Arbeitern in Streik. Fünf Tage darauf rächte sich die Fabrikantenvereinigung, indem sie alle Zuschneider aussperrte. Darauf stürzten sich die Lieferanten, die