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Menorah · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 167

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Article
Das Heldenlied von der Nadel
Date
1929-03-01
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
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DAS HELDENLIED VON DER NADEL 167 teten die „Russen", den Ostjuden waren die „Deutschen" ein Greuel. Ein Arbeiterführer jener Zeit sagte treffend: „Die ersten Klassenkämpfe der modernen Bekleidungsindustrie waren in New York jüdische Klassenkämpfe; sowohl Unternehmer wie Arbeiter waren Juden. Der Klassenkampf der jüdischen Nation ist in der Bekleidungsindustrie der Neuen Welt ausgefochten worden." III. „Judenstadt" hieß er in New York, der zehnte Bezirk mit seinen langen Reihen vorhangloser Fenster gegenüber der Hochbahn der Zweiten Avenue, der sich bis zu den menschenerfüllten Straßen des Ostens hinzieht. In anderen Städten hatte er andere Namen, aber überall arbeiteten Juden in den zahllosen Werkstätten, wo der Mensch nur lebte, um zu nähen. Sie zogen die Nadeln und schoben die Maschinen, bis die Augen brannten, bis der ganze Rücken schmerzte. Sie lösten sich über den Bügeleisen in unendlichen Strömen Schweiß förmlich auf. In der Schwitzbude und daheim, in den überfüllten Mietswohnungen, im Sommer auf Dächern und Feuerleitern sitzend, nähten Männer und Frauen und Kinder, nähten, fertigten aus, bügelten. Schon um vier Uhr früh waren die Straßen erfüllt von Menschen, die zur Arbeit gingen. Während der Hauptsaison schliefen die müden Arbeiter in langen Reihen auf dem Fußboden der Schwitzbuden, ein Bündel Flicken unter dem Kopf. Man konnte immer noch ein bißchen Arbeitszeit in den Tag hineinpressen, in dem man sich „zwei Stunden vom nächsten Tage borgte". Kaum waren sie eingeschlafen, war es schon wieder Zeit, zur Arbeit zu gehen. In der Judenstadt war „es nie so früh oder so spät, daß man nicht das Surren der Nähmaschinen hörte". Aber wie wenig hatte der Arbeiter davon! Die Lieferanten bettelten beim Unternehmer um Arbeit, den Hut in der Hand, in Jammertönen. Wen sollte man zuerst mit Arbeit versehen — es waren ihrer so viele! Der Lieferant verlangte soundso viel — der Unternehmer hob vor Entsetzen die Hände zum Himmel: ein anderer hatte einen viel geringeren Preis verlangt. Der Lieferant ermäßigte seinen Preis wieder und immer wieder. Dann kam er zum Arbeiter und erklärte, er müsse billiger werden. Die Leute nähten im Stücklohn, und schon bisher hatten sie fieberhaft arbeiten müssen, um das nackte Leben zu erhalten. Schneller ging es nicht mehr, und jetzt wurden die Löhne wieder verringert. Sich zu wahren, war unnütz und gefährlich. Aus dem Osten strömten immer neue Juden zu, nur zu gern bereit, an die Stelle der Mißvergnügten zu treten. Außerdem war die Saison kurz; nur zu bald

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