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Menorah · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 165

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Article
Das Heldenlied von der Nadel
Date
1929-03-01
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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DAS HELDENLIED VON DER NADEL 165 Es ist also leicht einzusehen, warum die Juden so leicht den Weg in die Werkstätten der Lieferanten und sogar in die der Unternehmer fanden. Oft brachte ein schon ansässiger Verwandter den Grünen sofort nach dessen Ankunft in die Werkstälte. Manchmal wurde der Einwanderer schon in Castle Garden von einem Glaubensgenossen in gutgeschnittenem Anzug, mit einer Brillantnadel in der Krawatte, angesprochen. „Könnt Ihr nähen? Seid Ihr ein Schneider?" lautete die eifrige Frage, auf Jüdisch natürlich. Im ersten Augenblick war der Neuankömmling vielleicht nicht geneigt, Rede zu stehen — in der Heimat war der Schneider ein verachtetes Geschöpf gewesen. Aber wenn dann der Lieferant ihm eifrig zuredete, in seine Werkstätte zu kommen, wo Arbeit warte, mochte der Einwanderer leicht glauben, er sei wirklich im gelobten Land. Arbeit und Verdienst, kaum daß er das Schilf verlassen hatte! Aber immer neue Massen ergossen sich in die Neue Welt, und bald war es der Arbeiter, der den Lieferanten aufsuchte. An den Kerbsleinen der Straßen im Osten gab es eine Art Arbeitsbörse. An den Ecken in Essex und Hester Street pflegten jeden Morgen große Gruppen von jüdischen Arbeitern auf die Lieferanten zu warten, die Arbeit zu vergeben hatten. Wir müssen hier auf die Geschichte der Bekleidungsindustrie zurückgreifen, in welcher die letzte Welle der jüdischen Einwanderung aufging, wenigstens zum größten Teile. Bis zum Abolitionskriege waren Kleider fast ausschließlich Handarbeit gewesen, und erst durch die fabriksmäßige Anfertigung der Soldatenuniformen im größten Stil kamen die fertigen Anzüge überhaupt auf. Noch später kam die gleiche Entwicklung bei den Frauenkleidern. Zwischen 1860 und 1880 erstarkte die Bekleidungsindustrie zu nationaler Bedeutung. Die Erfindungen häuften sich; es kam das Zuschneidemesser, die verbesserte Nähmaschine. Die gutgestellten Schneider mit Privatkundschaft, teils eingeborene Amerikaner, teils Iren, teils portugiesische Juden, waren die ersten Unternehmer in dieser neuen Industrie. Die Deutschen und die deutschen Juden, die während der Reaktionszeit nach 1848 eingewandert waren, bildeten den Arbeiterstand. Es verging einige Zeit... Große deutsch-jüdische Firmen, wie Meyer Jonassen, wurden die hervorragendsten Unternehmer. Die ersten osteuropäischen Juden wurden Lieferanten, das heißt, sie übernahmen halbfertige Kleider von den Unternehmern, welche das Material gekauft, den Schnitt entworfen und die Stücke zugeschnitten hatten. In die Schwitzbuden der Liefe-

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