Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Die Braunschweiger Gebetbuchhandschriften
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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BRAUNSCHWEIGER (iEBETBUCHHANDSCIIRIFTEN 157 bestimmten Vorlagen arbeiten. Diese Blumen- und Eruchlranken. aus denen die Initialen komponier! sind, die zarten Spitzengewebe, die die Buchstaben füllen, diese graziösen Linienführungen eines reichen Barocks können nicht der Phantasie des Künstlers entstammen, der di<1 zwar außerordentlich liebenswürdigen, aber technisch unvollkommenen Tierkreisbilder gezeichnet hat. Die Vorlagen zu den Jnitialwörlern sind überaus reichhaltig, es gibt kaum eine Kunslindustrie, deren Ornamentik nicht zur Verwertung herangezogen ist. Muster von (ioldschmicdearbeil, Steinschneidekunst, Kunslschmiederei, Bildhauerei in Holz und Stein, sogar Tapisserie, sind geschickt für hebräische Initialbuchstaben verwendet (siehe Abb.). Man beachte zum Beispiel das zarte Spilzenmuster in den Buchslaben des Wortes "j^Eu vom Morgengebet des Versöhnungstages. Das Blattwerk, aus dem der Kopf des dargestellt ist, stammt von einer anderen Vorlage und beeinträchtigt die Wirkung des Wortbildes. Im Jozer für den ersten Tag des Hütten festes ist das Wort vnrs nach gedrehten Posamentschnüren gezeichnet: die Vokalpimkle erscheinen wie zum Posament gehörige kleine Knöpfe. Der Anfang der Mussaf-Amida des Versöhnungstages ist aus Ornamenten zusammengesetzt, die geschmiedeten Besehlägen nachgezeichnet sind. Im ganzen erinnert die Ornamentik dieser Initialwöi ter an die deutsche und holländische Schule des Barock, und es spricht für unseren Schreiber, daß er mit der Kunstindustrie dieser Zeit so vertraut war, daß diese seine Illustrationen hebräischer Handschriften befruchten konnte.