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Menorah · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 149

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Article
Das Haus Israel
Date
1929-03-01
Page
Seite 149 (sequence 19)
Language
German
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DAS HAUS ISRAEL 140 Himmel, die in seiner jetzt gewachsenen Seele einen engen Zusammenhang fanden. Stets dem Totalitätsgedanken treu, liebte er auch die Erde, suchte die Unlust zu meiden, strebte aber, gleich dem großen Epikur, nur solcher Lust nachzugehen, die zum geistigen Wohl, zur geistig-seelischen Selbsterhaltung und Aufbewahrung dienen konnte. Als Folge dieser gesamten personalistischen Bewegung wuchsen der „hisch 'a mach" und ,,hisch 'a kodesch" als Vorbilder der Erziehung hervor. Eine Biographie war ins Leben gerufen, und selbst die Vergangenheit wurde unter dem Eindruck des geistigen Individualismus (Personalismus) romantisiert und verklärt. Selbst die Könige aus der staatlichen Periode jüdischer Geschichte vermochten Platz im neuen Bewußtsein zu finden, soweit sie jener Verklärung fähig waren. Der Furor des Krieges, das Pathos der Gewalt und das spielende und spielerische Leben traten vielfach zurück vor dem moralischen Heroismus und Rigorismus, vor sozialer Wärme und religiöser Daseinsweihe, die ihren Niederschlag und Ausfluß in Gotteszuversicht, in metaphysischer Weltsicherheit schlechtweg fanden. Über dem so aufgerichteten und erlebten „Haus Israel" schwebte jedoch die trauernde Schechinah, die unsichtbare Gestalt des „Ebed Jahwe", der „Knecht Gottes" schmachtete nach Erlösung. V or zwei Ideale, die in der Folge die Ideale abendländischer Kulturnationen geworden sind, sieht sich noch heute das „Haus Israel" gestellt, zwischen zwei Grundmotiven wirkt sich sein historischer Wille aus. Es gilt nämlich die Entscheidung zu treffen zwischen dem prophetischen Willen, der auf den Beruf, den messianischen Beruf in der Völkerwelt hinweist, und den pharisäisch-talmudischen Individual- und Volkswillen. Dort, im Prophetentum, gestaltet sich das Bild als Spannung zwischen Gegenwart und Zukunft, da tritt jedes Glied des Hauses Israel als Kolonisator, als Verfechter von Kolonialethik, von Kolonialrecht, Kolonialwirtschaft auf. Hier aber, im Judentume pharisäisch-talmudischer Tradition und Prägung, heißt Gegenwart — „unten", heißt Zukunft „oben", ist das Leben eine eigenvölkische, personale Aufgabe, ist das Ziel individuelles und menschliches Heil, ist das Ideal Errichtung und Erlösung des Lebens schlechthin. Auf diesem Wege der Reinigung, Läuterung und Aufrichtung der jüdischen Seele hat sich dann auch die Quelle aufgemacht, aus der die jüdische Mystik ihr lebendiges Wasser zu schöpfen pflegte. Dem messianischen Geschichts- und Entwicklungsgedanken, der vornehmlich irdische XIV.

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