Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Das Haus Israel
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 148 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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148 MENORAH und Lehrhaus. Der Staat löste sich in Orden, Brüderschaften auf, denen in Palästina die Gemeinden der „Peruschah", der Pharisäer erwuchsen; im Zentrum der Gemeinde ragte die Synagoge hervor. Der soziale Körper des Hebräertums wurde ein anderer, der Lebensgehalt wandelte sich um, die Komponenten des Daseins änderten ihre Rangordnung, allein der göttlich fundierte Totalitätsgedanke blieb bestehen. Der Gemeindestaat und die Synagoge gehörten und gehören noch zur Zeit vielfach zusammen, sie bildeten gemeinsam einen kollektiv-geistigen Organismus. Und alles vermochte die Synagoge: weltliche und göttliche Konflikte zu schlichten, ein Gefühl der Heimat zu erwecken und den Weg zum Heil, zu Gott zu ebnen. Eine Brücke zwischen den Notwendigkeiten des Alltags, den Aufgaben der geistigen Bildung und den höchsten Hoffnungen auf die „Nähe Gottes" schlug die Synagoge samt der Gemeinde als ihrem sozialen Hintergrunde. Enger scharten sich um sie die Hebräer, und das „Reich Israel" wurde also zu einem ganz intimen seelenvollen ,,Haus Israel". Als welthistorisches Denkmal dieses autochthon gewachsenen ,,Hauses" gilt das großartig angelegte Rechts¬ und kulturpädagogische System, Talmud, Lehre genannt, das erst das Judentum zu dem machte, was es während der zweitausend Jahre abendländischer Kultur auch war. Die große Reformation im Judentum, die mit der pharisäisch-talmudischen Geistigkeit anhob, hat Früchte getragen. Der Talmud schuf das Judentum zu einer Kulturnation um, die der Welt das Wunder gewährte, auch ohne den mit Machtregalien ausgestatteten nationalen Staat zu bestehen. Und wenn je ein schriftliches Denkmal eines Volkstums als national bezeichnet werden durfte, so ist es der Talmud, dem in höherem Maße als selbst dem Pentateuch, den Propheten oder etwa den Büchern Homers diese Würde, als kollektive Schöpfung zu gelten, zukommt. Hjs ist mir nicht um Tatsachen zu tun, die allbekannt sind. Auf den Deutungszusammenhang kommt es hier lediglich an. Mit dem pharisäisch-talmudischen und weiterhin rabbinistischen Judentume ist der einzelne Mensch im „Hause Israel" gewachsen und erstarkt. Die große Reformation im Judentume, die damit zur Schau gestellt worden ist, hat den Sieg davongetragen. Als Handelnder erhielt er die Rechtsbefähigung mit allen Konsequenzen dieses juridischen Grundsatzes, als moralisches Wesen wähnte er, kraft der „Mizwoth" sich selbst und die Welt überhaupt aufrichten zu können. Und im metaphysischen Betrachte gewährte er ein ,,Unten" und „Oben", eine Erde und einen XIII.