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Menorah · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 147

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Article
Das Haus Israel
Date
1929-03-01
Page
Seite 147 (sequence 17)
Language
German
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DAS HAUS ISRAEL 147 und der nachexilischen Zeit sind voll von jener schmerzensvollen und zugleich beglückenden Demut. Das Merkwürdige an dieser gesamten Lebenswandlung ist ihr Endeffekt: Der Schmerz zeugte das intime, seelenvolle Gebet und wurde hier nie zürn Rebellen. Es wirkt beinahe unheimlich, wenn man die Weissagungen der Prophetie auf ihren Gehalt prüft. Selbst in der intimen Sphäre des Daseins trifft alles zu, wie es vorausgesagt worden war. Bezeichnend dafür ist die Weissagung Hesekiels vom ,,fleischernen Herz4', das „das steinerne" ersetzen sollte. Kein Zweifel mehr: die äußere politischnationale Umwandlung traf hier stets das Innere des Menschen, förderte eine Umstellung der moralischen Komponenten herbei und als Folge dieser seelischen Revolution ergab sich eine lebendige, latente Frömmigkeit, sie rief eine inwendige, intime Welt hervor, die zu einem Bild, zu einer sozialen Gestalt drängte. xlLuch anderswo, zum Beispiel im klassischen Hellas, arbeitete die Volks- und Nationalbildung die Tugenden der Demut, Genügsamkeit und Bescheidenheit heraus, nur entwickelten sich jene Volkstugenden abseits von der Gottheit, stets mit Hinblick darauf, um nur nicht etwa den Neid der Götter und Titanen zu erwecken. In der Folge geht denn auch der die Volksmoral durchdringende Schmerz in Rebellion über. In den orphysehen und den dyonisischen Kulten, zumal im Mythos des Prometheus, bricht die „H y b r i s", der Hochmut, hervor. Dyonisos verspricht jedem, der von seinem trunkenen Geist heimgesucht wird, Gottähnlichkeit, und Prometheus inszeniert einen allgemeinen Aufstand. In Israel, das seine Geschichte stets gemeinsam mit Gott, mit dem Weltsinn aufschließt und tätigt — selbst in die Verbannung begibt sich die Schechinah — kam es denn auch nie zu einem moralischen Sklaven - aufstand. Nietzsches Wort vom jüdisch-christlichen Sklavenaufstand und das moderne Gerede von der Parias-Moral kann und darf keineswegs auf das Konto des Judentums gebucht werden. Der Zusammenschluß und -klang mit der Gottheit, mit der allerletzten Notwendigkeit des Weltgeschehens bewahrte Israel vor jener rebellischen Konsequenz. Gott der Weltkatastrophen wandelte sich in den Gott des Bundes, der Bundesgott wurde dann zum Gott der Berufenen, um endlich auch in der von Enttäuschungen und Leiden gereinigten Seele seinen Ort aufzupflanzen. Gott heißt nun der ,»Heilige im Israel". Um die Bundeslade wurde ein Tempel, ein nationales Heiligtum errichtet, der Tempel wurde zerstört und vernichtet und an seiner statt entstand das Bet- XIL

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