Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Das Haus Israel
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 144 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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144 MENORAH wurden. Daß diese radikale Umstellung nicht ohne Einfluß auf den gesamten Bau des Hauses Israel bleiben konnte, braucht kaum verdeutlicht zu werden. X. Ich schreibe hier keine Geschichte, und hier ist kaum der Ort, um die Kolonisationssamt der Missionsgeschichte des Judentums zu verfolgen. Zwei Momente will ich aber wiederholt betont wissen. Äußerlich, der sozial-historischen Gestalt nach, erscheint die Geschichte der hebräischen Nation samt der vielen, die wir heutzutage Judentum nennen, als ein Expansionsprozeß, der zur zivilisatorischen Kolonisation und zur geistigen Konzentration drängt. Nur wechselt die Nation oft ihre Kolonisationsbasis, und nicht selten sind es mehrere Metropolen, um die sich die kolonisatorischen Elemente scharen. Beim Wechsel der Kolonisationsbasis, bei den Verschiebungen der Wohnungs- und Wirkungszentren werden neugeartete, auch fremde Organe zivilisatorischer Betätigungsart und Verständigung bis zur Tagessprache hinunter erworben und betätigt; allein die historische Gliederung, auch das tiefer liegende historisch-nationale Band wird gewahrt. Damit komme ich auf das zweite Grundmoment jüdischer Geschichte zurück, das sich in jener historisch-nationalen Kontinuität äußert. Nur ist diese Historie derartiger Natur, daß sie infolge ihrer ursprünglichen bundesverf aß liehen Einstellung, kraft der Frühreife zum Träger der Kulturbildung geworden ist. Sonst ist es immer der Staat als sichtbares Organ und Form historischen Lebens, der durch seine Agressivität die autochthone Kultur eher verdrängt und zerstört denn aufrichtet. Im Judentume wird dagegen auf Kosten der eigenen Staatslosigkeit der Zusammenschluß der Welthistorie der Geschichte und Kultur früh vollzogen. Die Historie auch in Zeiten, wo noch um einen eigenen Staat gekämpft wird, gliedert sich im Judentume der geistigen Urtatsache seines Daseins ein. Und diese der Kultur eingegliederte Geschichte gerät unumwunden im Verlaufe der weltgeschichtlichen Bildungen in gegensätzliche Spannungen mit den Kulturen und Zivilisationen, die vielmehr den machthaberischen, imperialistischgerichteten „Geschichten" der Völker eingegliedert sind. Eine der ursprünglichsten Kultureinstellungen, den geistigen Urtatsachen im Dasein entspringende Historie ist die Historie des Judentums bis auf den heutigen Tag. In ihr bleiben alle Rudimente des Daseins von der Stammesgeschichte bis hinauf zur Geschichte als Beruf und Aufgabe aufgehoben. Das größte Geheimnis der Völker- und Nationalgliederung, der Zusammenhang menschheitlicher Historie mit Gottes Werden und