Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1929)
- Article
- Das Haus Israel
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 143 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 1× ep/1005097
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DAS HAUS ISRAEL 143 IX. Es existiert ein inniger Zusammenhang zwischen dem Tun und dem Erlebnis, zwischen dem äußeren und inneren Schaffen. Und wo Leben gezeugt wird, sind Taten und Ereignisse im Gange, die eine inwendige Wirklichkeit zur Folge haben. Die Tat, zumal die historische Tat, wird nicht immer von Siegesfahnen umwoben, und manchmal enthält die bewußte Entsagung und Überwindung mehr an wirksamer Tatkraft denn die Tat, die auf Beherrschung und Vergewaltigung ausgeht. Es gehört aber seherische Genialität samt ungebrochener Willenskraft dazu, um der Versuchung zu entgehen und stillezuhalten. Von solchem tiefgehenden Instinkt waren nun die großen Propheten erfüllt, als sie die Absage an den Mutwillen und Trotz predigten, und noch immer bedeuten die Mahnungen des ersten Jesaja ein völliges Programm für Menschen und Völker in bestimmten Lagen ihres Daseins: ,,Denn so spricht der Herr, Herr, der Heilige in Israel: Wenn Ihr umkehret und stille bleibet, so würde Euch geholfen. Durch Stillsein und Vertrauen würdet Ihr der Heldenhaftigkeit habhaft werden." Das Israel der prophetischen Epoche befolgte nun notgedrungen dieses Programm, und es wurde ihm geholfen. Es entdeckte in sich einen neuen Beruf: im kolonisatorischen Trieb, der ihm stets eigen war, erwachte der Trieb zur Mission. Die Berufs- oder Missionsidee ist neben der verklärten Bundesidee und neben der Umwertung der Macht die drittgrößte Errungenschaft, die jetzt Israel zuteil wurde. Die sozial-historischen Notwendigkeiten forderten von Israel, der Kolonisation obzuliegen. Und das Volk, das durch seine Geschichte vorwiegend Kolonisator war und ist, büßte durch den staatlichen Zusammenbruch die kolonisatorischen Möglichkeiten völlig ein. Der historische kollektive Tod wäre jetzt unvermeidlich, wenn nicht die aus den Tiefen gehobene Innenwirklichkeit einen Ausweg fände. Und dieser wurde denn auch im Missionstrieb wahrgenommen. Soziologisch gesehen, fühlte man sich berechtigt, die Behauptung aufzustellen: der an der Grenze seiner historisch-politischen Möglichkeiten angelangte Kolonisationstrieb machte sich Luft im erweckten Missionstrieb. Also geschah nicht ein- und nicht zweimal im Verlaufe der jüdischen Geschichte. Einmal ins Leben gerufen, verhalf der Missionstrieb dem Kolonisationsdrang den Weg zu ebnen. Einst ein Volk der Bundesgenossen, wandelte sich Israel in eine Nation der Berufenen. Der messianische Staat winkte dem Judentume und allen Völkern die von ähnlichen kulturhistorischen Nöten und Erlebnissen heimgesucht