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Menorah · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 142

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Article
Das Haus Israel
Date
1929-03-01
Page
Seite 142 (sequence 12)
Language
German
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142 MENORAH gische Sprung ins Jenseits der eigenen Staatshoheit und der menschlichen Staat engeschichte schlechtweg wird gewagt. Und als Kehrseite dieser Entsagung ergibt sich ein neugearteter inwendiger Zusammenhang. Man sagt sich los von den Ansprüchen auf die äußere Macht, um eine inwendige ethisch-religiöse Kraft einzuheimsen. An Stelle des äußeren Konzentrationspunktes wird ein solcher inwendiger gesucht. Und dieser wird dann auch gefunden im Träger des gesamten Welt- und Lebensbundes, und zwar in Gott. Gott ist die andere zentrale Idee, die nebst der Gewalt der Umwertung unterliegt. Der Volksgott Jahwe ist mit der Geschichte Israels aufs innigste verwebt, teilt das Geschick der Nation. Gemeinsam sind die Siege und die Niederlagen. Inniger gestaltet sich das Verhältnis zwischen Gott und Israel, seiner Geliebten. Gott hat sich als liebender und leidender Gott offenbart. Der Volksgenius, die „Schechinah" begibt sich mit Israel in die Verbannung. Und der Sinn dieses allergrößten historischen Dramas gibt sich in einem weiteren Aufschluß der göttlichen Wesenheit kund. Es gibt keine Umkehr. Man muß den Weg, wie er vom Gesetze des Lebens, von der Vorsehung bestimmt ist, bis zu Ende gehen. Aber man schreitet diesen Weg mit Gott ab, als tätiges Glied seines Bundes. Der Bund selbst unterliegt der Wandlung, der Erweiterung. Er umfaßt potenziell jetzt die gesamt Menschheit, die gesamt lebende Welt. Israel als Nation wird für Aufgaben fähig, die mehr sind als nationale Aufgaben im egozentrischen Sinne des Wortes. Der israelitische Nationalismus zeugt jetzt Werte, die Anspruch auf universelle Gültigkeit erheben. Die jüdische Geschichte bietet in Wahrheit ein typisches Vorbild für den Aufschluß und Ablauf der Geschichte sämtlicher Völker, die als Kulturnationen gelten. Die Höhe der Nationalbildung pflegt stets mit dem Anspruch auf Universalität zu enden. Nun wird der Weg zu jener universellen Verpflichtung von der historischen Gestaltung des Volkes bestimmt. Das kämpfende große römische Imperium oder das Frankreich der großen Revolution oder selbst das in ursprüngliche Expansion geratene Hebräertum erreichen ein bestimmtes Maß von Universalität durch Verpflanzung und durch Aufbürden von bestimmten Institutionen kultischer, staatlicher und rechtlicher Prägung, während die zusammenbrechenden Hellas und Judäa durch den Geist siegen, der in den Tiefen der Nation, zum Schutze des eigenen Selbst, der eigenen Volksseele gezeugt wurde. Morituri, te salutant!

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