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Menorah · 1929-03-01 · Heft 3-4 (März 1929) · p. Seite 141

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 3-4 (März 1929)
Article
Das Haus Israel
Date
1929-03-01
Page
Seite 141 (sequence 11)
Language
German
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DAS HAUS ISRAEL 141 jeder nationalen Seele ist ein Ort ausfindig zu machen, wo Erschütterung, Ereignis, Bild und Wort, wo Zeugung und Sprache, wo Realität und Gedanke in Eins zusammenschmelzen, ein und denselben Vorgang bedeuten. Und stets sind es zwei Pole, zwischen denen die seelische Spannung sich vollzieht. Ergreifende Betrunkenheit und erhabene, beschauliche Ruhe oder, wie die Neueren, aus der Erfahrung der griechischen Antike es bezeichnen: „Dyonisos" und „Apollo", drücken stets die zwei polaren Punkte der seelisch-geistigen Hochspannung aus. Auch in der hebräischen Antike drückt sich die Gottheit außer im unfaßbaren forttönenden Laute in den Lauten, die den faßbaren Ort, „Mokim", „Schamaim" — die Himmel, bedeutet, aus. Die ,,Hülle des Mose'' verschafft dem göttlichen Drängen Gestalt und Gesicht. Höchste Bewegung und aufs höchste sich genügende Ruhe schließt die Gottheit mit ihren Welten in sich ein. Alles Realitäten, die keineswegs erdacht oder erschlossen, sondern in Wahrheit sich „ereignet", offenbart und erlebt wurden. Und so geht es immerfort in der jüdischen Historie. Nur bleibt der Ort, wo der Hauch, die Musik, die Erschütterung vernommen werden, nicht immer ein und derselbe. Bald sind es das Gedränge und die Gliederung der Menschen zu einem Bund, bald ist es die große Not des Volksdaseins und des Einzellebens, die das Schaffen hervorrufen. Die Eigenart dieses Aufbaues einer Nations- und Menschengeschichte äußert sich aber stets in der Perspektive. Immer bieten die Ereignisse eine Aussicht, und wo die menschliche Geschichte versagt, dort stellt sich die Gottesgeschichte ein. Metaphysische Olmmacht ist im Gefühl des Hebräers einem Frevel an Gott und Welt gleich. Auch die Propheten sind metaphysische Realisten im Sinne der hebräischen Tradition, Anhänger einer Wahrheit, die ihnen die Ereignisse eingeben. Der Don-Quichotismus ist, gleich aller magischen Uberhebung, ihnen fremd. Der äußere staatliche Zusammenhang ist in die Brüche gegangen; an seine Stelle habe nun ein innerer Wirkungszusammenhang zu treten, eine neue Wirklichkeit müsse aus den Tiefen der Volksgeschichte selbst gehoben werden. Diese Wechsel volle Geschichte hat nun demonstriert und gelehrt, daß die menschliche Gewalt nicht von Bestand und eitel sei. Der Zusammenbruch der israelitischen Macht drängt zur völligen Umwertung der Macht überhaupt. Und die Propheten verkünden nun die radikale Umwertung der Macht. Anders als es die Leviten getan haben. Die Absage an die Macht erstreckt sich jetzt — insbesondere in der Zeit der babylonischen Gefangenschaft — bis auf die Staatsgewalt. Politische Passivität und weltgeschichtliche Neutralität ist die Folge jener zwangsläufigen Einstellung. Der soziolo-

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